|
Das Restaurant Molino ist Teil einer Kette italienischer
Restaurants in der ganzen Schweiz. 16 Restaurants
gehören der Molino AG an, die von der Investmentgesellschaft
Athris Holding AG kontrolliert wird, welche wiederum
zu Jelmoli gehört. Der Präsident des
Verwaltungsrates der Athris Holding AG ist Georg
von Opel, eine Erbe der deutschen Auto-Dynastie,
die 1929 an General Motors verkauft worden ist.
Von Opel ist gleichzeitig Mehrheitsaktionär
bei Jelmoli.
Im
Namen der Entwicklung eines „Italien- Konzepts“
hat Molino in Fribourg zwischen November 2008
und Dezember 2009 sukzessive alle ArbeiterInnen
entlassen, die nicht italienischer Herkunft sind.
Resultat: Elf Angestellte wurden aufgrund ihrer
Herkunft entlassen, zehn davon kamen aus Ländern
ausserhalb der EU. Sie wurden ersetzt durch frisch
rekrutierte Lohnabhängige aus Italien. Die
Entlassungen fanden gestuft statt, einerseits
um kollektive Reaktionen der ArbeiterInnen zu
verhindern, andererseits um trotzdem ein reibungsloses
Funktionieren des Restaurants während der
Hochsaison zu gewährleisten.
Kein
Einzelfall
Molino
AG praktiziert diese diskriminierende Personalpolitik
in der ganzen Schweiz. In der Zeitschrift „Hotel
Revue“ (Nr. 50, Dez. 2009) äussert
sich der CEO von Molino, Alfred Steiner, zur neuen
Anstellungspolitik äusserst prägnant:
„Es müssen Italiener und Italienerinnen
sein. Wenn Sie ein italienisches Konzept verfolgen,
dann muss das durch Personen aus diesem Land und
aus dieser Kultur auf die Beine gestellt werden.
Sonst funktioniert es nicht – der Kunde
merkt dann, dass irgend was nicht stimmt.“
Also entlässt man alle MitarbeiterInnen,
die die „falsche Nationalität“
haben. Diese Praxis verletzt mehrere juristische
Verordnungen der Schweiz, angefangen beim Nicht-
Diskriminierungsprinzip (Art. 8 der Bundesverfassung)
über das Obligationenrecht zum Schutz vor
missbräuchlicher Kündigung (Art. 336)
bis zum Zivilgesetzbuch (Art. 27/28), das den
Schutz der Persönlichkeit regelt.
Die
ArbeiterInnen haben sich mobilisiert, um diese
diskriminierenden Praktiken und ihre sozialen
Konsequenzen zu denunzieren: Selektion (und Spaltung)
der ArbeiterInnen nach ihrer Nationalität,
schwerer Angriff auf die Würde der Personen,
Anstieg der Prekarität und der Erwerbslosigkeit.
Sie verlangen, dass die Molino AG diese diskriminierende
Politik sofort aufgibt und die betroffenen Angestellten
entschädigt. Angesichts der Empörung,
die die Bewegung in Fribourg zum Ausdruck brachte,
hat die Molino nur mit Arroganz reagiert. Die
Kette gibt zu, prioritär italienische ArbeiterInnen
zu rekrutieren, verneint aber, Angestellte aufgrund
ihrer Herkunft entlassen zu haben.
Der
Kampf wird weitergehen!
Es
muss nun darum gehen, die Bewegung auszudehnen
auf die betroffenen Arbeiter- Innen in den Molino-Filialen
in anderen Städten. Ihr Kampf ist wichtig,
weil die Ex-Angestellten der Molino AG verschiedene
wichtige soziale, politische und juristische Probleme
aufs Tapet bringen wie:
-
Den schwachen Kündigungsschutz in der
Schweiz. Die Entlassungsschreiben der Angestellten
enthalten nicht mal eine Erklärung zum
Grund der Entlassung – was durch die
Schweizer Gesetze erlaubt ist!
- Das
Fehlen zwingender Normen gegen die „Rassendiskriminierung“:
Wie die Eidg. Kommission gegen Rassismus unterstreicht,
verfügt die Schweiz über keine kohärenten
Instrumente, um gegen Rassendiskriminierung
vorzugehen.
- Das
brutale Regime der helvetischen Soft-Apartheid,
organisiert und „legitimiert“
durch ruchlose Gesetze gegen AusländerInnen,
im Speziellen gegen jene aussereuropäischer
Herkunft (Ausländergesetz, Asylgesetz,
Massnahmen gegen Schwarzarbeit, bilaterale
Verträge zur „Personenfreizügigkeit“).
Dies geschieht im Kontext einer Neudefinition
der utilitaristischen und xenophoben Schweizer
Migrationspolitik als „Politik der zwei
Kreise“.
Die
Angestellten von Molino haben sich entschieden,
diese Tendenzen zu bekämpfen. Sie führen
einen Kampf, der gegen das profitorientierte Unternehmen
gerichtet ist und nicht gegen die italienischen
Kollegen, die sie ersetzen sollen. In diesem Sinn
sind die ArbeiterInnen von Molino echte Pioniere.
Sie verdienen unsere volle Unterstützung.
|