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Anfangs Juni wäre es noch unmöglich
gewesen, sein Zelt auf dem Campgelände aufzustellen.
Über sechs Wochen reinigten die griechischen
GenossInnen den Ort von Schlangen und Skorpionen
und installierten sanitäre Anlagen. Aber
nicht nur die Situation auf dem Gelände,
sondern die des ganzen Landes war einer der Schwerpunkte
des diesjährigen Camps.

Politische
Lage in Griechenland
Im
Zuge der Jugendrevolte im letzten Dezember fingen
verschiedene Teile der Gesellschaft an, sich aufzulehnen:
Schüler- Innen und StudentInnen besetzten
ihre Schulen bzw. Universitäten, Lohnabhängige
mobilisierten sich und MigrantInnen setzten sich
verstärkt für ihre Rechte ein. Die Frage
stellte sich, was davon geblieben ist. Objektiv
wurde festgestellt, dass der Staats- und Regierungsapparat
sowie die extreme Rechte gestärkt aus den
Auseinandersetzungen hervorgegangen sind. Viele
GriechInnen unterstützten den Ruf der rechtsextremen
Partei LAOS nach Ruhe und Sicherheit und gaben
ihnen bei den Europawahlen im Juni 7.15% der Stimmen.
Die Regierung ihrerseits konnte die Ausschreitungen
im Dezember als Vorwand nehmen, um die Repression
gegen die durch die Wirtschaftskrise zunehmenden
sozialen Bewegungen zu verstärken und die
„Ordnung“ im Land wieder-herzustellen.
Um
genau diese „Ordnung“ wirklich in
Bedrängnis zu bringen, hätte es eine
Koordination zwischen den verschiedenen Kämpfen
der beteiligten Bevölkerungsgruppen gebraucht.
Da sich zudem die bürokratischen Gewerkschaften
und die einflussreiche, aber sehr reformistische
Kommunistische Partei Griechenlands für die
Beruhigung der Lage eingesetzt hatten, konnten
nie wirkliche Alternativen zum jetzigen System
aufgezeigt werden. Trotz allem war die Zeit der
Proteste vergangenes Jahr eine kollektive Erfahrung
für die griechische Gesellschaft, auf der
neue Kämpfe aufgebaut werden können.
Antikapitalistische
Neugruppierungen
Ein
anderer Diskussionspunkt waren die Versuche in
diversen Ländern, neue antikapitalistische
Bewegungen aufzubauen. Die derzeit wichtigsten
in Europa sind wohl das Bündnis Bloco de
Esquerda in Portugal, das bei den Europawahlen
10.7% der Stimmen erhielt und die eue Antikapitalistische
Partei in Frankreich (4.9%). Es fanden immer wieder
Debatten statt, ob der Trotzkismus als marxistische
Methode noch aktuell ist und ob man seine antibürokratische
und internationalistische Praxis als Grundlage
benutzen soll, um sich breiter um den Banner des
Antikapitalismus zu sammeln.
Auch
die IV. Internationale versucht sich diesen neuen
Bewegungen zu öffnen und lädt zu ihrem
Weltkongress anfangs 2010 erstmals mehr Organisationen
ein, die nicht Mitglied der IV. sind, als solche,
die es sind.
„Networking“
Für
viele Camp- Teilnehmer ist das Austauschen von
Erfahrungen und das Kennenlernen anderer AktivistInnen
etwas vom Wichtigsten in dieser Woche. Dieses
Jahr hat z.B. eine osteuropäische Delegation
teilgenommen. Sie erzählte einerseits davon,
wie hart die Wirtschaftskrise die Lohnabhängigen
ihrer Länder treffe, andererseits, wie stark
die Repression denen gegenüber sei, die sich
dagegen wehren. Erfreulich ist auch, dass StudentInnen
aus verschiedenen Ländern, die sich im Camp
täglich trafen, eine Plattform aufbauen werden,
um Erfahrungen im Kampf gegen die Bolognareform
und die Ökonomisierung der Bildung auszutauschen.
Weiter wurde diskutiert, wie sich die AktivistInnen
gegen den im Dezember 2009 stattfindenden Weltklimagipfel
in Kopenhagen engagieren können. Bei diesem
Gipfel geht es um die Erweiterung des Kiotoprotokolls.
Wie jede/r weiss, wird dieser Anlass eine reine
Farce sein und den Herrschenden die Möglichkeit
bieten, sich eine grüne Weste anzuziehen.
Die
fortschreitende Prekarisierung der Lohnab-hängigen,
die neuen Bewegungen innerhalb der Linken, die
StudentInnenbewegung und der Kampf gegen den Klimawandel
werden u.a. wieder Themen des nächsten Camps
sein, das voraussichtlich in Perugia (Italien)
stattfinden wird. |