26. Sozialistisches Sommercamp
Philipp Schmid
aus Debatte Nummer 10 - Oktober 2009
Vom 25. – 31. Juli trafen sich über 500 junge Aktivistinnen und Aktivisten aus zahlreichen Ländern im Sozialistischen Sommercamp der IV. Internationalen. Eine Woche antikapitalistischer Freiraum in Molossi (Griechenland).

Anfangs Juni wäre es noch unmöglich gewesen, sein Zelt auf dem Campgelände aufzustellen. Über sechs Wochen reinigten die griechischen GenossInnen den Ort von Schlangen und Skorpionen und installierten sanitäre Anlagen. Aber nicht nur die Situation auf dem Gelände, sondern die des ganzen Landes war einer der Schwerpunkte des diesjährigen Camps.

Politische Lage in Griechenland

Im Zuge der Jugendrevolte im letzten Dezember fingen verschiedene Teile der Gesellschaft an, sich aufzulehnen: Schüler- Innen und StudentInnen besetzten ihre Schulen bzw. Universitäten, Lohnabhängige mobilisierten sich und MigrantInnen setzten sich verstärkt für ihre Rechte ein. Die Frage stellte sich, was davon geblieben ist. Objektiv wurde festgestellt, dass der Staats- und Regierungsapparat sowie die extreme Rechte gestärkt aus den Auseinandersetzungen hervorgegangen sind. Viele GriechInnen unterstützten den Ruf der rechtsextremen Partei LAOS nach Ruhe und Sicherheit und gaben ihnen bei den Europawahlen im Juni 7.15% der Stimmen. Die Regierung ihrerseits konnte die Ausschreitungen im Dezember als Vorwand nehmen, um die Repression gegen die durch die Wirtschaftskrise zunehmenden sozialen Bewegungen zu verstärken und die „Ordnung“ im Land wieder-herzustellen.

Um genau diese „Ordnung“ wirklich in Bedrängnis zu bringen, hätte es eine Koordination zwischen den verschiedenen Kämpfen der beteiligten Bevölkerungsgruppen gebraucht. Da sich zudem die bürokratischen Gewerkschaften und die einflussreiche, aber sehr reformistische Kommunistische Partei Griechenlands für die Beruhigung der Lage eingesetzt hatten, konnten nie wirkliche Alternativen zum jetzigen System aufgezeigt werden. Trotz allem war die Zeit der Proteste vergangenes Jahr eine kollektive Erfahrung für die griechische Gesellschaft, auf der neue Kämpfe aufgebaut werden können.

Antikapitalistische Neugruppierungen

Ein anderer Diskussionspunkt waren die Versuche in diversen Ländern, neue antikapitalistische Bewegungen aufzubauen. Die derzeit wichtigsten in Europa sind wohl das Bündnis Bloco de Esquerda in Portugal, das bei den Europawahlen 10.7% der Stimmen erhielt und die eue Antikapitalistische Partei in Frankreich (4.9%). Es fanden immer wieder Debatten statt, ob der Trotzkismus als marxistische Methode noch aktuell ist und ob man seine antibürokratische und internationalistische Praxis als Grundlage benutzen soll, um sich breiter um den Banner des Antikapitalismus zu sammeln.

Auch die IV. Internationale versucht sich diesen neuen Bewegungen zu öffnen und lädt zu ihrem Weltkongress anfangs 2010 erstmals mehr Organisationen ein, die nicht Mitglied der IV. sind, als solche, die es sind.

„Networking“

Für viele Camp- Teilnehmer ist das Austauschen von Erfahrungen und das Kennenlernen anderer AktivistInnen etwas vom Wichtigsten in dieser Woche. Dieses Jahr hat z.B. eine osteuropäische Delegation teilgenommen. Sie erzählte einerseits davon, wie hart die Wirtschaftskrise die Lohnabhängigen ihrer Länder treffe, andererseits, wie stark die Repression denen gegenüber sei, die sich dagegen wehren. Erfreulich ist auch, dass StudentInnen aus verschiedenen Ländern, die sich im Camp täglich trafen, eine Plattform aufbauen werden, um Erfahrungen im Kampf gegen die Bolognareform und die Ökonomisierung der Bildung auszutauschen. Weiter wurde diskutiert, wie sich die AktivistInnen gegen den im Dezember 2009 stattfindenden Weltklimagipfel in Kopenhagen engagieren können. Bei diesem Gipfel geht es um die Erweiterung des Kiotoprotokolls. Wie jede/r weiss, wird dieser Anlass eine reine Farce sein und den Herrschenden die Möglichkeit bieten, sich eine grüne Weste anzuziehen.

Die fortschreitende Prekarisierung der Lohnab-hängigen, die neuen Bewegungen innerhalb der Linken, die StudentInnenbewegung und der Kampf gegen den Klimawandel werden u.a. wieder Themen des nächsten Camps sein, das voraussichtlich in Perugia (Italien) stattfinden wird.