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Sowohl der Arbeitsmarkt als auch die Sozialwerke
in der Schweiz unterliegen einem ständigen
Wandel. Die öffentlich geführten Debatten
sowie die Berichterstattung der Massenmedien suggerieren
dabei einen echten politischen Diskurs darüber,
wie die Zukunft der ebengenannten Bereiche aussehen
soll. Tatsächlich wird die derzeitige Politik
der Prekarisierung aber von allen grossen Parteien
und den Wirtschaftsverbänden der Schweiz
unterstützt (hegemonialer Block). Im Rahmen
dieses politischen Prozesses lassen sich drei
Tendenzen oder Formen von Prekarisierung ausmachen:
Druck
zum Autoritären
Die
Organisation innerhalb der Unternehmen wird zunehmend
autoritärer. Die flachen Hierarchien (dezentrale
Unternehmensstrukturen) sorgen dabei nicht für
weniger Ungleichheit oder gar mehr Demokratie,
sondern ermöglichen eine direktere und umfassendere
Einflussnahme der Vorgesetzten auf ihre Angestellten.
Durch die Abschaffung mittlerer Hierarchiestufen
(Personalchefs, mittlere Kader, Vorarbeiter usw.)
wachsen die Verantwortung und der Druck auf alle
Beschäftigten am Arbeitsplatz, ohne dass
eine tatsächliche Mitbestimmung realisiert
würde. Die weitgehende elektronische Vernetzung
durch Computer, Netzwerke usw. erweist sich bei
der Kontrolle der Untergebenen als nützliches
Instrument.
Autoritäre
Mechanismen werden auch in den Sozialwerken immer
ausgeprägter. Empfänger von Arbeitslosengeld
oder Sozialhilfe müssen sich dem Willen der
Behörden beugen, Sozialhilfe wird nicht als
Menschen- oder Bürgerrecht, sondern als eine
an bestimmte Bedingungen geknüpfte Leistung
verstanden. Im Namen der Reintegration in den
Arbeitsmarkt werden Erwerbslose dazu gezwungen,
ihnen zugewiesene Arbeiten ohne echte Entlöhnung
auszuführen, ansonsten drohen Kürzungen
der Sozialhilfe (Workfare statt Welfare).
Druck
zu mehr Ausbeutung
Diese
autoritären Tendenzen haben vor allem zum
Ziel, die Lohnabhängigen besser und effizienter
ausbeuten zu können. Die immer grössere
Menge an verlangter Arbeit in Form von Überstunden,
die höhere Arbeitsintensität oder aber
die Auslagerung bestimmter Arbeitstätigkeiten
ins Privatleben (vor allem bei akademischen oder
sozialen Berufen) kommt letztlich einer Senkung
der Löhne gleich.
Die
Grundlage der stärker werdenden Ausbeutung
liegt in der Idee des unternehmerischen Selbst,
das ständig darauf bedacht ist, seinem Unternehmen
und damit angeblich auch sich selbst zu mehr Gewinn
zu verhelfen. Der Zwang zu mehr Eigeninitiative,
Flexibilität und Verantwortung führt
zu einer immer höheren Belastung am Arbeitsplatz.
Druck
zur Halbbildung
Das
neokonservative Prinzip der Autorität sowie
das neoliberale Prinzip des unternehmerischen
Selbst setzen auch eine spezifische Form der Bildung
voraus: Die Halbbildung (Adorno). Diese besteht
in der Aneignung einer sogenannten instrumentellen
Vernunft, die einen dazu befähigen soll,
sich im vorgegebenen (kapitalistischen) Rahmen
möglichst erfolgreich durchschlagen zu können.
Eine objektive, nicht-instrumentelle Vernunft,
die auch dazu befähigen würde, die heutige
Gesellschaftsordnung grundlegend in Frage zu stellen,
geht zunehmend verloren. Die Bologna-Reform ist
ein Beispiel dafür.
Angriff
auf die Lohnabhängigen
Die
Prekarisierung des Arbeitsmarktes beschert den
Unternehmen zusätzliche Profite. Gleichzeitig
dient die immer restriktivere Gestaltung der Sozialwerke
vor allem der Einschüchterung der Lohnabhängigen.
Denn je unerträglicher das Leben der nicht
Erwerbstätigen, desto mehr nehmen die noch
Erwerbstätigen in Kauf, um ihren Status zu
behalten. Es liegt an uns allen, mit dieser Logik
zu brechen. Nur durch eine gemeinsame Mobilisierung
und den aktiven Widerstand der Lohnabhängigen
kann der Trend zu Autoritarismus und Sozialabbau
gestoppt werden.
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