Editorial
Redaktion
aus Debatte Nummer 5 - Juni 2008

In den letzten Monaten haben sich Lohnabhängige verschiedener Branchen kollektiv gegen Angriffe seitens der Arbeitgeber gewehrt. Diesen Kämpfen kommt in der Schweiz, im Pionierland des Arbeitsfriedens und der propagierten Identifikation mit dem Chef, eine hohe Bedeutung zu. Es zeigt sich, dass Klassengegensätze auch hierzulande immer mal wieder aufbrechen und die Gesellschaft nicht einfach „befriedet“ ist. Wir kommen in dieser +ummer auf vorläufig abgeschlossene oder noch laufende Auseinandersetzungen zurück. Es geht darum, die Protest- und Streikaktionen auf dem Bau und den eindrücklichen Streik der SBB-Cargo-Angestellten im Tessin besser zu verstehen. Wir drucken insbesondere ein aufschlussreiches Interview mit Streikführer Gianni Frizzo über den Streik der „Officina“ in Bellinzona ab, das Pino Sergi geführt hat. Die Auseinandersetzung um SBB Cargo ist nicht beendet, die Solidarität ist gefragt – es geht um die kollektive Fähigkeit, in einem schwierigen Umfeld dem Druck des Kapitals etwas entgegenzusetzen und ein Stück Handlungsmacht zurück zu gewinnen. Von der Fähigkeit zur Selbstorganisation, die insbesondere im Tessin demonstriert wurde, und von der Solidarisierung linker Kräfte hängt entscheidend ab, ob es gelingen wird, die Rechte von uns allen, der Lohnabhängigen, zu stärken.

Die Redaktion