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Angenommen, ihr würdet ein Schwimmbecken
sehen, indem sich völlig erschöpfte
Leute befänden, die verzweifelt versuchen
aus dem Wasser zu steigen. Weiter angenommen,
ihr würdet gleichgültig an ihnen vorbei
gehen und sie ertrinken lassen. Was würde
einem Juristen dazu einfallen? Vielleicht unterlassene
Hilfeleistung, geahndet mit Freiheitsentzug oder
Geldbusse. Oder nehmen wir an, ihr würdet
- anstatt zu helfen - damit beginnen, Mauern um
den Rand des Schwimmbeckens zu errichten, Stacheldraht
anzubringen und die Ausstiegsleiter zu demontieren.
Das wäre? Wahrscheinlich vorsätzliche
Tötung oder sogar Mord, geahndet mit bis
zu 20 Jahren Freiheitsentzug.
Etwas anders sieht es auf der Ebene der internationalen
Politik aus. Mit HightechÜberwachungssystemen,
Militär und Polizei begegnet man dort den
Tausenden von Flüchtlingen, die sich Jahr
für Jahr auf eine immer gefährlicher
werdende Reise nach Europa wagen. Die Anzahl derer,
die auf Grund dieser „Abwehrmassnahmen“
im Mittelmehr ertrinken, kann nur geschätzt
werden. Und welche Strafe haben die Schreibtischtäter,
Bürokraten und Rassisten, die für diese
Politik verantwortlich sind, zu erwarten? Vorläufig
leider keine.
Auch deswegen haben wir den Schwerpunkt in dieser
Ausgabe auf das Thema Migration gelegt. Was wird
aus den Menschen, die die beschwerliche Reise
überstehen, welchen Platz nehmen sie in unserer
Gesellschaft ein und inwiefern tragen sie zum
Funktionieren des Kapitalismus bei?
Die
Redaktion |