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Im Verlaufe der „Aktion Gegossenes Blei“
hat die Israelische Armee in Gaza zwei Spitäler
sowie das Hauptquartier des UN-Flüchtlingshilfswerks
(UNRWA), wo 600 Menschen Zuflucht gefunden hatten,
bombardiert. Unbewaffnete Zivilisten, die weisse
Fahnen trugen, wurden nach Aufforderung, ihr Haus
zu verlassen, von israelischen Panzern aus unter
Beschuss genommen. In mehreren Fällen wurden
Zivilisten von israelischen Soldaten bei Angriffshandlungen
vorausgeschickt und so als menschliche Schutzschilder
missbraucht. Mehrere Gebäude, die als Fluchtort
dienten, wurden von Helikoptern aus mit Raketen
beschossen. Die einzige Getreidemühle (Al-Bader
Flour Mill) des Gazastreifens sowie die Einrichtungen
für die Abwasserreinigung (Gaza Water Sewage
Treatment Plant) wurden zerstört. Die grösste
Hühnerfarm des Streifens (Sawafaery Chicken
Farm) mit ihren 31'000 Hühner wurde mit Bulldozern
dem Erdboden gleich gemacht. Dies alles wertet
der vom UN-Menschenrechtsrat in Auftrag gegebene
Goldstone-Bericht als „nicht kriegsnotwendige
Zerstörung“ und damit als Kriegsverbrechen.

Um
der „Ausgewogenheit“ Willen beurteilt
der Bericht auch die primitiven Raketen, welche
die Palästinenser während einiger Zeit
ins israelische Grenzgebiet geschossen haben,
als Verletzung der Kriegsrechts. Auch die Gefangenhaltung
des Israelischen Soldaten Gilad Shalit wird kritisiert
(und dabei vergessen, dass in Israel über
10'000 Palästinenser in Gefängnislagern
festgehalten werden). Bemerkenswert ist auch,
dass „Palästinenserpräsident“
Abbas, der im Westjordanland herrscht, wegen der
Repression seiner vom CIA ausgebildeten Polizeitruppe
gegenüber „politischen Rivalen“
(gemeint ist die Unterdrückung der Hamas,
die bei den letzten Wahlen auch im Westjordanland
die meisten Wählerstimmen gewonnen hatte),
ebenfalls kritisiert wird.
Der
Menschenrechtsrat und die Schweiz
Der UN-Menschenrechtsrat hatte im Januar
2009 an einer Sondersitzung in Genf beschlossen,
die Umstände des Massenmordes zu
untersuchen. Der israelische Botschafter
Ilan Elgar hatte zuvor schon die Schweiz
dafür kritisiert, die Sitzung nicht
präventiv verhindert zu haben, damit
habe sie Partei gegen Israel ergriffen.
Und der Schweizerische Israelitische Gemeindebund
(SIG) sowie die Plattform der Liberalen
Juden der Schweiz (PLJS) liessen verlauten:
„Mit Befremden (!) werde die Schweizer
Position im UNO-Menschenrechtsrat beobachtet“.
In der Folge enthielt sich dann der Schweizer
Uno- Vertreter Dante Martinelli der Stimme
beim Untersuchungsbeschluss. Seit Juni
ist die Schweiz nicht mehr im Menschenrechtsrat
vertreten.
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Wer
ist eigentlich Goldstone?
Uri
Avnery, einer der Gründer der israelischen
Bewegung für eine Friedenslösung schrieb
zur Beauftragung Goldstones durch die UNO: „Und
wen stellten sie an die Spitze der Untersuchungskommission
keinen geringeren als einen jüdischen Richter,
einen Zionisten, dessen Tochter Nicole nach Israel
einwanderte – und fliessend Hebräisch
spricht, einen Südafrikaner, der gegen die
Apartheid opponierte und ins neue Verfassungsgericht
berufen wurde, als dieses Apartheidregime entmachtet
wurde.“1 Trotzdem reagierte Israel
im bekannten Argumentationsmuster: Der Bericht
sei „klassischer Antisemitismus“,
ein „Produkt einer Verbindung von Propaganda
und Parteilichkeit“. Ministerpräsident
Peres sagte, „wir werden nicht akzeptieren,
dass eine uns feindlich gesinnte Mehrheit in der
UNO über uns urteilt". Sein Land untersuche
seine Kriege selber und benötige dafür
keine „Richter von aussen“, die Israelische
Armee sei „die moralischste Streitkraft
der Welt“, es werde insbesondere jeden Versuch
abwehren, seine Soldaten vor das Internationale
Strafgericht in Den Haag zu bringen. Das israelische
Verteidigungsministerium seinerseits drohte umgehend,
die Führung der Palästinensischen Autonomiebehörde
(!) zu bestrafen, sollte der Goldstone-Bericht
an den UNSicherheitsrat weitergeleitet werden.
Diese müsse sich darüber im Klaren sein,
dass ihr Schicksal, ihre politische und ökonomische
Zukunft davon abhingen, ob sie mit Israel zusammenarbeite
oder nicht. Unter diesem massiven Druck, der von
den USA noch mit Nachdruck versehen wurde, hat
„Palästinenserpräsident“
Abbas zunächst seinen Unterhändlern
bei der UNO die Anweisung gegeben, die Auswertung
des Berichts bis März 2010 hinauszuzögern.
Nach massivem Protest seitens der Bevölkerung
und der Hamas, die ihm Kollaboration mit Israel
vorwarf, hat er seine Meinung später wieder
geändert. Die Hamas hingegen interpretierte
den Bericht als „Sieg der Gerechtigkeit“,
obwohl auch sie darin verurteilt wird.
Nach
einigem Hin und Her hat der UNMenschenrechts-rat
am 16.10.2009 Israel (und die palästinensische
Seite) wegen Verletzung des Kriegsrechts, eventuell
(!) sogar Verbrechen gegen die Menschlichkeit,
verurteilt und den Fall an den Weltsicherheitsrat
weitergeleitet. Die EULänder und die USA
stimmten gegen die Überweisung, Russland
und 24 weitere Ländern dafür.
Achtung
Täuschung
Die genannte Organisation darf nicht verwechselt
werden mit: Der „Human Rights Association
in Israel“, die palästinensische
Gefangene in Israel verteidigt, auch nicht
mit „Association for Human Rights“
in Nazareth (Israel), die sich im Kampf
gegen die Apartheid-Mauer einsetzt und
nicht mit der „Association for Civil
Rights in Israel“, welche Palästinenser
mit Israelischer Staatsbürgerschaft
beispielsweise gegen Enteignungen ihres
Besitzes durch die Behörden juristische
Unterstützung leistet.
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Die
prozionistische Propaganda schlägt zurück
In
welcher Gestalt nun die Kampagne auftritt, die
dem Goldstone Bericht seine Glaubwürdigkeit
entziehen soll, zeigt am eindrücklichsten
folgendes Beispiel: Am 17.09.2009, am Tag nach
dem Beschluss der Kommission findet die Gründung
der „Association for Human Rights in Israel“
statt (siehe Kasten Achtung Täuschung). Eine
von mehreren Webseiten der „Association
for Human Rights in Israel“2 zitiert
das auf dieser Seite abgedruckte Bild des äusserst
freundlich wirkenden israelischen Soldaten.
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| Der
Israelische Soldat und das Palästinensische
Mädchen, gemäss der Propagandakampagne
gegen den Goldstone-Bericht. |
Nimmt
man sich die Mühe. ein wenig zu recherchieren,
stösst man darauf, dass die „Association
for Human Rights in Israel“ ein Produkt
der PR-Agentur Leyden Communications ist, zu deren
Kunden praktisch die gesamte israelische Kriegsindustrie,
sowie das israelische Aussenministerium gehören.
Gesponsert
wird das Unternehmen von der Rochelle und Richard
Maize-Foundation in Beverly Hills, USA. Richard
A. Maize ist multimillionenschwerer Bankier und
steht seit Jahren im Clinch mit Gerichten von
Los Angeles, die ihm Betrügereien im Geschäft
mit Immobilien vorwerfen. Doch viel lieber nennt
er sich Philantrop, der seine Wohltätigkeit
in etwa 20 Stiftungen, darunter der American Cancer
Society oder aber der Los Angeles Police Foundation
unter Beweis stellt.3
Was
folgt?
Gegen
die Stimmen Israels, Deutschlands, Italiens, der
Niederlande, Polens, Ungarns, Tschechiens, der
Slowakei und der USA hat die UN-Vollversammlung
am 5.11.2009 den Bericht angenommen. Grossbritannien
und Frankreich enthielten sich, während Irland,
Portugal, Malta, Slowenien und Zypern mit der
Mehrheit der 114 Zustimmenden stimmten. Der Beschluss
verlangt von Israel und den Palästinensern
eine unabhängige (!) Untersuchung der gemachten
Vorwürfe. Geschieht dies nicht innert 3 Monaten,
könnte der UN-Weltsicherheitsrat beschliessen,
gegen Verantwortliche den Internationalen Strafgerichtshof
einzuschalten. Doch dass es je so weit kommt und
israelische Kriegsverbrecher mit einem internationalen
Haftbefehl rechnen müssten, ist kaum anzunehmen.
Durfte die Botschafterin Israels bei der UNO Gabriela
Shalev doch bereits vermelden: „Die Aussenministerin
Hillary Clinton hat versprochen, dass, sollte
es zu einer Abstimmung für eine Überweisung
an den Gerichtshof kommen, die USA von ihrem Vetorecht
Gebrauch machen werden.“

Eine
neue Anti-Apartheid-Bewegung
Angesichts
der eklatanten Parteilichkeit der machthabenden
politischen Kreise Europas und der USA gegenüber
der Politik Israels, entwickelt sich derzeit eine
breite, internationale Bewegung gegen die israelische
Apartheid.4
Mit
einem weltweiten Aufruf zu Boykott, Desinvestition
und Sanktionen (BDS) gegen Israel wurde eine Kampagne
angestossen, die bereits bemerkenswerte Erfolge
zu verzeichnen hat. Der britische Gewerkschaftsbund
(TUC), zum Bespiel, ruft seine 6 Millionen Mitglieder
auf, Israel zu boykottieren. Die Initiative dazu
kommt von einer breiten Palette von über
hundert Gruppierungen der palästinensischen
Zivilgesellschaft, die so versuchen, im Kampf
um ihre Rechte ein gewaltfreies Mittel zum Einsatz
zu bringen.5
Michel Warschawski, einer der herausragendsten
israelischen Friedensaktivisten sagt zu dieser
Kampagne folgendes: „Voraussetzung für
Frieden im Nahen Osten ist die Entkolonisierung
Palästinas, die Anerkennung der legitimen
Rechte der Palästinenser in den besetzten
Gebieten, in Israel und in den Zufluchtsländern
der Vertriebenen. Ob das Resultat dann eine Ein-
oder Zweistaatenlösung sein wird ist sekundär.
Entkolonisierung war in der Geschichte immer das
Resultat von Befreiungskämpfen und diese
waren dann erfolgreich, wenn der Preis der Kolonisierung
zu hoch wurde und immer mehr Leute zu begreifen
begannen, dass diese sich nicht mehr lohnt. Weshalb
sollte Israel heute seine koloniale Politik aufgeben?
Weshalb den Palästinensern ihre Rechte zugestehen?
Die Boykottkampagne (BDS) eröffnet die Gelegenheit,
im Rahmen eines weltweiten Netzwerks etwas für
die Unterstützung der legitimen Rechte der
Palästinenser zu tun. Einerseits kann dieses
Netzwerk die internationale Gemeinschaft auffordern,
einen Staat zu sanktionieren, der systematisch
gegen internationales Recht, UN-Resolutionen,
die Genfer Konvention und unterzeichnete Abkommen
verstösst, andererseits die internationale
Zivilgesellschaft aufrufen, Waren von Firmen,
die den kolonialen Staat Israel repräsentieren,
zu boykottieren. Beide Ziele können geeignet
sein, die Israelis davon zu überzeugen, dass
Besatzung und Kolonisierung einen Preis haben
und dass Verstösse gegen internationales
Recht früher oder später Israel zu einem
Paria-Staat machen werden, der in der internationalen
Gesellschaft nicht mehr willkommen ist. Genauso,
wie es Südafrika zur Zeit der Apartheid ergangen
ist.“6
1
Quelle: zmag.de
2
Quelle: ungoldstonereport.com
3
Quelle: richardsilverstein.com
4
Zum Vorwurf der Apartheid gegenüber Israel
hat der renomierte „Human Sciences Resource
Council“ in Kapstadt eine umfangreiche Studie
mit dem Titel „Besatzung, Kolonisierung
und Apartheid in Palästina“ veröffentlicht.
http://www.hsrc.ac.za/ Media_Release-378.phtml
5
Infos unter: bds-info.ch (Deutsch) oder bdsmovement.net
(Englisch)
6
Teilübersetzung Debatte, der ganze Text auf
Englisch findet sich auf:
alternativnews.org, http://www.alternativenews.org/blogs/
michael-warschawski.html
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