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Obama
hat die imperialistische Aussenpolitik der
Bush-Administration weitgehend fortgesetzt,
die militärischen Einsätze in Afghanistan
und Pakistan wurden gar intensiviert. |
Die
Wahl eines afroamerikanischen Demokraten zum Präsidenten,
von dem man sich versprach, dass er die in der
US-Gesellschaft immer noch schwellenden Wunden
heilen und den (lädierten) Ruf der USA im
Ausland wieder herstellen werde, rief eine Welle
politischer Begeisterung hervor, wie man sie seit
den Tagen Kennedys nicht mehr erlebt hatte. Das
schändliche republikanische Zwischenspiel
der Prahlerei und der Kriminalität schien
zu Ende zu sein. Viele glaubten, nur George Bush
und Dick Cheney hätten mit der Kontinuität
weltoffener US-Regierungen gebrochen, die dem
Land im Kalten Krieg und danach so nützlich
war. Von Barack Obama erwartete man, dass er sie
wieder herstellen würde.
Selten haben sich aus Eigennutz geschaffene Legenden
oder leichtfertig gewährte Vorschusslorbeeren
so schnell aufgebraucht wie diesmal. Es hat nämlich
überhaupt kein grundsätzlicher Wandel
in der Aussenpolitik stattgefunden, seit das Bush-Regime
durch das Obama-Regime abgelöst wurde. Die
strategischen Zielsetzungen und Verhaltensweisen
des US-Imperiums wurden ebenso beibehalten, wie
die Hauptschlachtfelder und die Operationsformen.
Obamas Kuschen vor Israel wurde schon vor seinem
Amtsantritt deutlich. Als die israelischen Streitkräfte
am 27. Dezember 2008 in der Luft und auf dem Boden
einen Grossangriff auf die Bevölkerung des
Gaza-Streifens starteten und das Land 22 Tage
lang ohne Unterbrechung bombardierend, brennend
und mordend verwüsteten, äusserte der
damals bereits gewählte Präsident kein
Wort der Missbilligung. Wohl nach vorheriger Absprache
brach Tel Aviv seinen Blitzkrieg erst am 20. Januar
2009 wenige Stunden vor Obamas Amtseinführung
ab, um ihm die Party nicht zu verderben.
Sofort nach seinem Amtsantritt ermahnte Obama
wie die US-Präsidenten vor ihm die beiden
leidgeprüften Völker im Heiligen Land,
endlich Frieden zu schliessen, und wie alle seine
Vorgänger forderte er die Palästinenser_innen
auf, Israel anzuerkennen, und verlangte von Israel,
den Siedlungsbau in den Gebieten einzustellen,
die es sich 1967 angeeignet hatte. Noch in der
Woche nach Obamas Rede in Kairo, in der er seine
Opposition gegen weitere (israelische) Ansiedlungen
ankündigte, setzte die regierende Netanjahu-Koalition
die Landnahme in Ostjerusalem ungestraft fort.
Obama musste seine Aufmerksamkeit erst den imperialistischen
Kriegsschauplätzen weiter östlich zuwenden.
Während seines politischen Aufstiegs hatte
Obama im Jahr 2002 als wenig bekannter Senator
aus Illinois einmal gegen den Angriff auf den
Irak gestimmt; damit ging er kein grosses politisches
Risiko ein. Seine erste Amtshandlung nach seiner
Wahl zum Präsidenten war dann aber die Weiterbeschäftigung
von Bushs Verteidigungsminister Robert Gates –
des langjährigen CIA-Funktionärs und
Veteranen der Iran-Kontra-Affäre –
im Pentagon. Ein deutlicheres und demonstrativeres
Zeichen der (von ihm beabsichtigten) politischen
Kontinuität hätte er kaum setzen können.
Vor seiner Wahl versprach Obama den Abzug aller
«US-Kampftruppen» aus dem Irak –
innerhalb von 16 Monaten nach seinem Amtsantritt,
also vor Anfang Mai 2010 – mit der Rückversicherungsklausel,
dass dieses Versprechen im Licht aktueller Ereignisse
«korrigiert» werden könne. Das
wurde es dann auch prompt.
Bezüglich des Iraks drängt sich der
unbehagliche Gedanke auf, dass der irakische Widerstand,
der noch bis vor kurzem in der Lage war, der US-Militärmaschinerie
so grossen Schaden zuzufügen, nach seinen
schweren Verlusten und der Abspaltung wichtiger
Segmente nur den richtigen Augenblick abwarten
wird, um Rache an den Kollaborateuren zu nehmen,
wenn auch die restlichen US-Truppen abziehen sollten.
Um gegen diese Gefahr gewappnet zu sein, hat Washington
vorgesorgt, indem es an die alten Kreuzfahrer-Burgen
erinnernde, aber viel gewaltigere und bedrohlichere
Festungen errichtete.
In Bezug auf den Iran liess Obama seine (angeblichen)
Pläne für eine grossartige Versöhnung
zwischen den beiden Staaten ganz schnell fallen.
Die Kehrtwende wurde auch durch die (mit US-Unterstützung
inszenierte) politische Polarisierung im Iran
erleichtert. Für Obama war die Gelegenheit
für eine ideologische Neupositionierung so
gut, dass er sie nicht auslassen konnte. Bei einem
unvergleichlich scheinheiligen Auftritt beklagte
er mit vor Kummer feuchten Augen den (wahrscheinlich
ebenfalls inszenierten) Tod einer Demonstrantin
in Teheran, während seine Drohnen am gleichen
Tag in Pakistan 60 Dorfbewohner_innen auslöschten
– überwiegend Frauen und Kinder.
Die Regierung des Demokraten Obama ist jetzt völlig
auf die Linie seines Vorgängers Bush eingeschwenkt
und hofft mit Unterstützung Russlands und
Chinas – in bereitwilligem Einvernehmen
mit der Europäischen Union – den Iran
durch eine Wirtschaftsblockade so unter Druck
setzen zu können, dass dessen oberster (religiöser)
Führer (Ayatollah Khamenei) entweder gestürzt
oder zum Einlenken gezwungen wird.
Von Palästina über den Irak bis zum
Iran hat sich auch Obama als treuer Diener des
US-Imperiums erwiesen, der mit einer verbindlicheren
Rhetorik aber mit den gleichen Mitteln die gleichen
Ziele wie sein Vorgänger verfolgt. In Afghanistan
ist er sogar noch weiter gegangen; dort hat er
die imperialistische Aggression durch die Eskalation
der Gewalt – sowohl technologisch als auch
territorial – sogar noch ausgeweitet.
Als Obama sein Amt antrat, war Afghanistan bereits
seit mehr als sieben Jahren von Streitkräften
der USA und ihrer Satelliten besetzt. Schon während
seines Wahlkampfes hatte er versprochen, diesen
«gerechten Krieg» noch härter
als Bush zu führen und angekündigt,
den afghanischen Widerstand mit mehr Truppen und
Feuerkraft brechen und seine Unterstützer
in Pakistan mit mehr Bodenoperationen und Drohnen-Angriffen
ausrotten zu wollen. Dieses Versprechen hat er
gehalten.
In einer Meldung, welche die New York Times taktvoll
als Statistik ankündigte, «die das
Weisse Haus noch nicht veröffentlicht hat»,
informierte sie ihre Leser darüber, dass
«die CIA seit Obamas Amtsantritt mehr Angriffe
mit Predator-Drohnen auf pakistanisches Gebiet
durchgeführt hat als während der gesamten
achtjährigen Regierungszeit Bushs.»
In dem verzweifelten Bemühen, in seinem «gerechten
Krieg» doch noch einem Sieg vermelden zu
können, hat Obama zusätzliche Truppen
nach Afghanistan entsandt und den Krieg auf das
benachbarte Pakistan ausgeweitet, weil es angeblich
den Feind unterstützt. Er liess sogar ankündigen,
Pakistan und Afghanistan würden künftig
als einheitlicher Kriegsschauplatz «AfPak»
behandelt.
Wenn es noch eines bildhaften Nachweises dafür
bedurft hätte, dass die Kontinuität
der US-Aussenpolitik von allen US-Regierungen
gewahrt wird, und dass die Versuche einiger Abwiegler,
die Bush-Cheney-Jahre als schlimme Ausnahme von
der Regel darzustellen, unberechtigt waren, dann
hat Obamas Verhalten diesen Nachweis geliefert.
Von einem Ende des Mittleren Ostens bis zum anderen
ist als einzige wichtige Änderung, die unter
Obama eingetreten ist, nur eine weitere Eskalation
des Krieges gegen «den Terror» –
oder «das Böse», wie er lieber
sagt – zu verzeichnen, wobei er mit dem
Jemen bereits ein weiteres Ziel ins Auge gefasst
hat.
Es wäre aber ein Fehler, anzunehmen, dass
sich überhaupt nichts geändert hat.
Keine Regierung gleicht einer anderen aufs Haar,
und jeder Präsident drückt der US-Politik
seinen eigenen Stempel auf. Faktisch hat sich
das imperialistische Machtstreben der USA unter
Obama kaum merklich verändert. Aber propagandistisch
wurde es enorm verbessert. Mit seinen Reden in
Kairo, in der US-Militärakademie Westpoint
und bei der Verleihung des Friedensnobelpreises
in Oslo, hat Obama der Welt eine erhebende Moralpredigt
nach der anderen gehalten und ihr von dem dringenden
Bedürfnis der USA vorgeschwärmt, die
Menschheit in Ehrfurcht und verantwortungsvoll
voranzubringen.
Diese Heuchelei wird noch so lange weitergehen,
bis auch die genug davon haben, die jetzt noch
danach lechzen.
* Originalversion
auf Englisch unter www.theage.com.au. Ins Deutsche
übersetzt von: Luftpost. Friedenspolitische
Mitteilungen aus der US-Militärregion Kaiserslautern
/ Ramstein, LP 199/10 – 13.10.10.
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