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Tag nach der Grossdemonstration in Rostock gegen
den G8 war bei Polizei und Medien Märchenstunde
angesagt: Von 400 Verletzen und 44 Schwerverletzten
Polizisten war die Rede. Die Zahl von „nur“
500 verletzten DemonstrantInnen - die Meisten
von ihnen mit Verletzungen, die durch den polizeilichen
Einsatz von Pfefferspray und Schlagstöcken
verursacht worden waren - hätte eigentlich
jedem kritischen Beobachter klar machen müssen,
dass mit diesen Zahlen etwas nicht stimmen kann:
Auf Grund der martialischen Ausrüstung der
Polizei ist die Überzahl der Verletzten erfahrungsgemäss
bei den Demonstrierenden auszumachen - und nicht
bei der Staatsgewalt.
Lügen
entlarvt
Tage
später wurde bekannt, dass von den 44 „Schwerverletzen“
gerade mal drei stationär behandelt werden
mussten (bei einer stationären Behandlung
spricht man laut Strassenverkehrs-Gesetz von Schwerverletzten).
Diese durch die Polizei verbreitete Lüge
tummelte sich noch Tage nach der Demonstration
in den Medien und wurde von den meisten nicht
mehr richtig gestellt. Auch weitere ähnlich
lächerliche Falschmeldungen (Lauge in Wasserpistole
wurde als Säureangriff dargestellt) stellten
sich im Nachhinein als Unsinn heraus. Das Konzept
der Behörden und der Polizei war ziemlich
einfach. Das gigantische Medienaufgebot wurde
mit möglichst vielen Horrormärchen versorgt,
wohl wissend, dass später, wenn die Lügen
ans Licht kommen, sich längst niemand mehr
dafür interessiert. Im kollektiven Bewusstsein
hat sich das Bild der bösartigen DemonstrantInnen
und der armen und schützenden Polizei längst
festgesetzt.
Ernüchternde
Bilanz
Wochen
nach den G8-Protesten scheinen die Umstände
bezüglich des medialen und polizeilichen
Verhaltens ziemlich klar: Gezielte Provokationen,
Verbreitung von Falschmeldungen und Sensationsjournalismus
zeugen nicht von einer „Strategie der Deeskalation“.
Gleichwohl sind auch einige Demoteilnehmer nicht
ohne Schuld geblieben. Obwohl sich einmal mehr
„Agent provocateurs“ (als Krawallmacher
verkleidete Polizisten) unter die Menge mischten
und mittlerweile wegen Steinewerfens vor Gericht
stehen, liessen sich zahlreiche DemonstrantInnen
auf das „Spiel“ ein: Der gewohnte
Schlagaustausch mit der Polizei wurde einmal mehr
durchgeführt, um sich sogleich als revolutionäre
Linke feiern zu können, die sich mit Staat
und Polizei anlegt. Welche negativen Auswirkung
diese Auseinandersetzungen auf die globalisierungskritische
und antikapitalistische Bewegung haben, wurde
zu wenig berücksichtigt.
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| Die
zunehmende Repression und Militarisierung
wird längerfristig nicht nur Demonstrantinnen
treffen. |
Militarisierung
und innere Sicherheit
Die Auseinandersetzungen mit der Polizei wurden
systematisch dazu benutzt, um die Proteste gegen
den G8-Gipfel zu diffamieren und um die innere
Aufrüstung und Militarisierung zu rechtfertigen.
Von verbesserten Funksystemen, Elektroschocks
(Taser), Gummischrot, Überwachungskameras
bei jedem Greiftrupp bis zu Aufklärungsflügen
der Bundeswehr - an martialischer Schlagkraft
hat es der deutschen Polizei dieses Jahr freilich
nicht gefehlt. Ein neues Polizeigesetz im von
einer Koalition aus Linkspartei und SPD regierten
Bundesland Mecklenburg- Vorpommern erlaubte die
Ausweitung des Paragraphen über die über
Bildung terroristischen Vereinigung auf linke
Organisationen. Die Tatsache, das Deutschlands
Innenminister Schäuble die präventive
Ermordung von „Terroristen“ in Erwägung
zieht, macht die Sache auch nicht besser.
Europäisch-deutscher
Imperialismus Selbstverständlich
bedarf es weder Tornado-Kampfjets noch neue Überwachungssysteme,
um Demonstranten in Schach zu halten. Die Militarisierung
Deutschlands vollzieht sich innerhalb des europäischen
Aufrüstungsprozesses. Mit ihr soll nicht
nur der soziale und politische Widerstand der
Strasse unterdrückt werden, sondern auch
den Interessen des deutschen Kapitals im Ausland
Nachdruck verliehen werden.
Richtig
reagieren Es
ist Aufgabe der revolutionären Linken, die
Bevölkerung über die zunehmende Repression
und ihren Zusammenhang mit imperialistischen Machtinteressen
zu informieren. Dazu gehören auch angemessene
Verteidigungsmassnahmen während Demonstrationen,
nicht aber aussichtslose Strassenschlachten.
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