Kapitalismuskritik à la Hollywood
David S.
aus Debatte Nummer 1 - Mai 2007
Sie prangern den Handel mit Blutdiamanten an oder schildern, wie der US-Imperialismus demokratische Bewegungen im mittleren Osten sabotiert. Die amerikanische Filmindustrie überrascht des Öfteren mit erstaunlich kritischen Inhalten, was angesichts des politischen Klimas in den USA doch eigentlich überrascht.

Mittlerer Osten, irgendwo in einem nicht genannten ölreichen Land. Der amerikanische CIA Agent Bob Barnes (gespielt von George Clooney) stirbt bei dem Versuch, das zukünftige Staatsoberhaupt Prinz Nasir vor einem Anschlag durch die CIA zu schützen. Beide werden von einer Rakete der USA getötet. Grund dafür sind die Bestrebungen Nasirs, die wirtschaftliche Abhängigkeit seines Landes von den USA zu verkleinern und demokratische Reformen durchzusetzen. Schonungslos zeigt der 2005 erschienene Film Syriana auf, wie die USAdministration auf Grund wirtschaftlicher Interessen die Unabhängigkeit ölreicher Staaten zu untergraben versucht und dabei über Leichen geht. Auch die Verflechtung der amerikanischen Politik mit den US-Ölfirmen zeigt der Film auf eindrückliche Art und Weise. Abgesehen von der Idealisierung des CIA-Agenten Bob Barnes schafft Syriana dabei, was nur wenigen Hollywood-Filmen gelingt: Er widersetzt sich der dümmlichen Logik von gut und böse und zeigt auf, wie die Dominanz von wirtschaftlichen, machtpolitischen und egoistischen Interessen (auf beiden Seiten) zu Gewalt,Verelendung und Korruption führt.

Der Kriegsfürst und seine Hintermänner

Erstaunlicherweise steht Syriana mit der Anprangerung des skrupellosen Vorgehens der amerikanischen Wirtschaftsund Politelite nicht alleine da. Der 2005 erschienen Film „Lord of War“ bietet brutale Einsichten in die Machenschaften des internationalen Waffenhandels und dessen Hintermänner. Die von Nicolas Cage verkörperte Hauptfigur Yuri Orlov durchlebt eine steile Karriere als international tätiger Waffenhändler und Schmuggler. Sein bester Kunde ist der Gewaltherrscher und liberianisches Staatsoberhaupt André Baptiste. Dieser ist nicht nur bezüglich seines Äusserens weitgehend Charles Taylor, dem ehemaligen liberianischen Diktator, nachempfunden. Auch dessen Nachname Baptiste ist eine Anspielung auf Taylor, der selbst Baptistenprediger war und seine Herrschaft oft durch religiöse Aussagen „legitimierte“.

Am Ende des Filmes wird Orlov von seinem Antagonisten und Interpolagenten Jack Valentine in Haft genommen. All der Beweislast und der Untaten zum Trotz wird er jedoch auf Anordnung eines hohen Regierungsbeamten der USA wieder freigelassen. Der Film endet mit der Feststellung Orlovs, dass der Präsident der Vereinigten Staaten der grösste Waffenhändler der Welt sei, und ihm somit nichts passieren könne.

Um den Film überhaupt in die Kinos bringen zu können, musste Regisseur Andrew Niccol auf Gelder aus den USA verzichten. Lord of War gilt deshalb als der teuerste „Independant-Film“ überhaupt. Hier zeigen sich auch die Grenzen der Bereitschaft der amerikanischen Filmindustrie und deren Gönner, ihre eigenen Werte und Überzeugungen in Frage zu stellen. Dennoch lohnt es sich, darüber nachzudenken, warum derartige Filme in einer Zeit, in welcher der Kapitalismus von fast niemandem mehr in Frage gestellt wird, überhaupt noch zu Stande kommen.

Ob exzessiv und sarkastisch (Lord of War, links) oder raffiniert und realistisch (Syriana, links): Die „Repolitisierung“ des Mainstream-Filmes fällt brutal, schonungslos und erstaunlich kritisch aus.

Alles nur Kommerz?

Diese Feststellung könnte zugleich auch ein Teil der Antwort sein: Die derzeitige Weltordnung ist derart dominant und konsolidiert, dass ihre Profiteure kaum etwas zu befürchten haben. Wer vom „Ende der Geschichte“ überzeugt ist, kann die Gegenwart kritisieren und anprangen, um sich sogleich mit einer weltverbesserischen und idealistischen Aura zu umgeben.

Am Ende aber gilt für die kapitalistische Kunst und Kultur, und damit auch den Film: Die Nachfrage bestimmt das Angebot. Kritische Filme erregen Aufsehen, schaffen Publicity und sind daher für die Filmemacher vor allem eins: Ein lukratives Geschäft. Angesichts der Unfähigkeit dieser Filme, eine wirklich öffentliche Debatte über deren Inhalte auszulösen, stellen sie für die radikale Linke einmal mehr kein Politikum dar.

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