| Mittlerer
Osten, irgendwo in einem nicht genannten ölreichen
Land. Der amerikanische CIA Agent Bob Barnes (gespielt
von George Clooney) stirbt bei dem Versuch, das
zukünftige Staatsoberhaupt Prinz Nasir vor
einem Anschlag durch die CIA zu schützen.
Beide werden von einer Rakete der USA getötet.
Grund dafür sind die Bestrebungen Nasirs,
die wirtschaftliche Abhängigkeit seines Landes
von den USA zu verkleinern und demokratische Reformen
durchzusetzen. Schonungslos zeigt der 2005 erschienene
Film Syriana auf, wie die USAdministration auf
Grund wirtschaftlicher Interessen die Unabhängigkeit
ölreicher Staaten zu untergraben versucht
und dabei über Leichen geht. Auch die Verflechtung
der amerikanischen Politik mit den US-Ölfirmen
zeigt der Film auf eindrückliche Art und
Weise. Abgesehen von der Idealisierung des CIA-Agenten
Bob Barnes schafft Syriana dabei, was nur wenigen
Hollywood-Filmen gelingt: Er widersetzt sich der
dümmlichen Logik von gut und böse und
zeigt auf, wie die Dominanz von wirtschaftlichen,
machtpolitischen und egoistischen Interessen (auf
beiden Seiten) zu Gewalt,Verelendung
und Korruption führt.
Der
Kriegsfürst und seine Hintermänner
Erstaunlicherweise
steht Syriana mit der Anprangerung des skrupellosen
Vorgehens der amerikanischen Wirtschaftsund Politelite
nicht alleine da. Der 2005 erschienen Film „Lord
of War“ bietet brutale Einsichten in die
Machenschaften des internationalen Waffenhandels
und dessen Hintermänner. Die von Nicolas
Cage verkörperte Hauptfigur Yuri Orlov durchlebt
eine steile Karriere als international tätiger
Waffenhändler und Schmuggler. Sein bester
Kunde ist der Gewaltherrscher und liberianisches
Staatsoberhaupt André Baptiste. Dieser
ist nicht nur bezüglich seines Äusserens
weitgehend Charles Taylor, dem ehemaligen liberianischen
Diktator, nachempfunden. Auch dessen Nachname
Baptiste ist eine Anspielung auf Taylor, der selbst
Baptistenprediger war und seine Herrschaft oft
durch religiöse Aussagen „legitimierte“.
Am
Ende des Filmes wird Orlov von seinem Antagonisten
und Interpolagenten Jack Valentine in Haft genommen.
All der Beweislast und der Untaten zum Trotz wird
er jedoch auf Anordnung eines hohen Regierungsbeamten
der USA wieder freigelassen. Der Film endet mit
der Feststellung Orlovs, dass der Präsident
der Vereinigten Staaten der grösste Waffenhändler
der Welt sei, und ihm somit nichts passieren könne.
Um
den Film überhaupt in die Kinos bringen zu
können, musste Regisseur Andrew Niccol auf
Gelder aus den USA verzichten. Lord of War gilt
deshalb als der teuerste „Independant-Film“
überhaupt. Hier zeigen sich auch die Grenzen
der Bereitschaft der amerikanischen Filmindustrie
und deren Gönner, ihre eigenen Werte und
Überzeugungen in Frage zu stellen. Dennoch
lohnt es sich, darüber nachzudenken, warum
derartige Filme in einer Zeit, in welcher der
Kapitalismus von fast niemandem mehr in Frage
gestellt wird, überhaupt noch zu Stande kommen.
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| Ob
exzessiv und sarkastisch (Lord of War, links)
oder raffiniert und realistisch (Syriana,
links): Die „Repolitisierung“
des Mainstream-Filmes fällt brutal, schonungslos
und erstaunlich kritisch aus. |
Alles
nur Kommerz?
Diese
Feststellung könnte zugleich auch ein Teil
der Antwort sein: Die derzeitige Weltordnung ist
derart dominant und konsolidiert, dass ihre Profiteure
kaum etwas zu befürchten haben. Wer vom „Ende
der Geschichte“ überzeugt ist, kann
die Gegenwart kritisieren und anprangen, um sich
sogleich mit einer weltverbesserischen und idealistischen
Aura zu umgeben.
Am
Ende aber gilt für die kapitalistische Kunst
und Kultur, und damit auch den Film: Die Nachfrage
bestimmt das Angebot. Kritische Filme erregen
Aufsehen, schaffen Publicity und sind daher für
die Filmemacher vor allem eins: Ein lukratives
Geschäft. Angesichts der Unfähigkeit
dieser Filme, eine wirklich öffentliche Debatte
über deren Inhalte auszulösen, stellen
sie für die radikale Linke einmal mehr kein
Politikum dar.
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