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Wie Geld „gemacht“ wird, das erscheint
im Bewusstsein vieler Leute eben so, wie die Milch
aus der Tüte kommt oder der Strom aus der
Steckdose. So beginnt auch der Film mit den Rotationsmaschinen,
auf denen das Geld gedruckt wird. Bald darauf
schwenkt die Optik auf eine afrikanische Goldmine
und von dort auf die Gold-barren im schweizerischen
Depot: 3% für Afrika, 97% für die Schweiz,
so wird der Reichtum in diesem Geschäft aufgeteilt.
Kapital kennt keine Moral, das bestätigt
auch die Aussage des Emerging-Market-Gurus, der
interviewt wird. Investoren hätten die Aufgabe,
Profit zu machen, Ethik, Soziales oder Umweltschutz
gehe sie nichts an. Der Staat soll sich aus dem
Business heraushalten, denn davon versteht er
nichts und Krisen, Revolten und Kriege seien der
Motor seiner Finanzwirtschaft, weil bei diesen
Ereignissen die Preise fallen und die Profitchancen
steigen. So einfach ist des Investors Welt.

Man
hätte den Film auch „Die Ausplünderungskette“
nennen können. Klar kommt zum Ausdruck, dass
der Liberalismus den Armen der Welt längst
den Krieg erklärt hat, bevor die ersten „Islamisten“
auf die verhängnisvolle Idee des Terrorismus
gekommen sind.
Der Film zeigt auch mit aller Deutlichkeit, dass
das Geschwätz von UNO-Milleniumszielen und
Entwicklungshilfe der industrialisierten Welt
nur der Nebel sind, hinter dem der Kapitalismus
die Ausplünderung der ärmeren Welt vorantreibt.
Nicht Almosen brauchen die noch wenig entwickelten
Gegenden, sondern ein Ende der Ausweidung ihrer
Schatzkammern, ihrer Rohstoffe.
Beeindruckend
sind die Bilder...
Aufgezeigt
wird, was wir schon wussten; dass der Internationale
Währungsfonds und die Weltbank im Prinzip
nichts anderes sind als die Agenturen ihrer Geberländer
zur Optimierung der Ausbeutungs-bedingungen ärmerer
Länder. In der Tat die direkte Weiterführung
der Kolonialherrschaft in neuem Gewand und begleitet
vom Schalmeinklang der guten Absichten. Auch das
wissen wir: ca. 250 Milliarden Euro werden weltweit
jedes Jahr an Steuern hinterzogen. Aufhellend
ist die Reportage über die Mechanismen, welche
dies ermöglichen. Das virtuelle Verschieben
von papierenen Vermögenswerten in Milliardenhöhen
von einer Steuerhinterziehungs- und Geheimfachoase
zur anderen, das geschickte Ausspielen unterschiedlicher
Rechtssysteme um diese „Steueroptimierung“
zu realisieren, ist phänomenal. Bei jeder
Schweinerei... ...ist die Schweiz mit dabei“,
lautet ein alter Demo-Slogan. Aber die Unverfrorenheit
mit welcher der stellvertretende NZZChefredaktor
Schwarz seine Klassenkampfparolen von sich gibt,
macht einen trotzdem paff. Ganz offensichtlich
sind sich dieser wie auch die porträtierten
Finanzmafiosi der eigenen Macht in einem Masse
bewusst, dass eine beschönigende Umschreibung
ihrer – für viele Menschen tödlichen
– Schreibtischtaten gar nicht mehr für
nötig gehalten wird. Schwarz spricht tatsächlich
im Rahmen eines Films über die Ausplünderung
der armen Welt davon, dass Menschen, die dahin
flüchten, wo alles angehäuft ist, was
ihnen gestohlen wurde, einen Eintrittspreis zu
bezahlen hätten. Zitat: „Wie in einem
Golfklub, wo ja auch bezahlt werden muss, für
das was zuvor andere aufgebaut haben.“
Der
Film hat auch seine Schwächen und Grenzen.
Unverständlich ist, weshalb ausgerechnet
ein Mitglied der deutschen Sozialdemokraten hier
seinen grossen Auftritt hat. Alle reichen Industriestaaten
wurden zwischenzeitlich oder werden aktuell von
der Sozialdemokratie regiert oder mitregiert.
Dennoch wurde dem neoliberalen Mainstream nie
wirklich etwas entgegengestellt, sondern diese
Entwicklung wurde von den SPFührungskadern
tatkräftig vorangetrieben. Der SPD-Bundestags-abgeordnete
und Kronzeuge Scheer empfiehlt den kleinen Leuten
zum Schluss des Filmes, sich zu organisieren.
Der erste und leider einzige Gedanke in Richtung
einer anderen Perspektive. Sich organisieren,
aber wo? In der Sozialdemokratie oder in den von
dieser gegängelten Gewerkschaften etwa? Trotz
alledem, „Let’s Make Money“
ist DER Film zur Krise. |