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Die
Bereitschaft eine neue Kraft zu gründen,
welche fähig ist eine Antwort auf die Angriffe
der Regierung zu geben, erfolgt nach wiederholten
Niederlagen auf der Ebene sozialer Kämpfe.
Frankreich hat die Besonderheit, seit vielen Jahren
als Antwort auf den Abbau von Rechten –
sei dies bezüglich des Pensionierungsalters,
der Verteidigung der Kaufkraft oder der Ausplünderung
des öffentlichen Dienstes – aktive
Bewegungen der Lohnabhängigen gekannt zu
haben.
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| Die
LCR stellt derzeit die tragende Kraft bei
der Formierung der neuen antikapitalistischen
Partei dar. Ob und in wie fern sie ihre politischen
Grundsätze im neuen Projekt durchsetzen
kann, bleibt abzuwarten. |
Anlässlich
der ersten Runde der Präsidentschafts-wahlen
von 2002 hat die radikale Linke an die 3 Millionen
(10,4%) der Stimmen erhalten. Der Kandidat der
Sozialistischen (Sozialdemokratischen) Partei
kam in die dritte Position (16,18%), hinter dem
Kandidaten der Nationalen Front, Jean-Marie Le
Pen (16,85%). In der zweiten Runde, in der sich
nur noch zwei Kandidaten vorstellen konnten, hat
Jacques Chirac, Kandidat der klassischen Rechten,
82,21% erreicht. Dieses historische Resultat,
erreicht mit Unterstützung der „Linken“
und der „Linken der Linken“, erlaubte
dann der Regierung, die Arbeiterbewegung frontal
anzu-greifen.
Ein
Sprungbrett für die Lancierung der neuen
Partei
Nach den Präsidentschaftswahlen im Frühling
2007 hat die LCR1 einen
Aufruf für die Gründung einer neuen
antikapitalistischen Partei lanciert, die in den
Betrieben, bei der Jugend, in den Wohnquartieren
und beim öffentlichen Dienst verankert sein
soll. Anlässlich dieser Wahlen, die zum Sieg
von Nicolas Sarkozy geführt haben, war Olivier
Besancenot (LCR) der einzige Kandidat, der es
im vorauszusehenden Desaster der radikalen Linken
weiter gebracht hat. Doch damit das Projekt tatsächlich
Gestalt annehmen kann, muss dieses von AktivistInnen
unterschiedlicher Ansichten als notwendig angesehen
werden.
In
der Folge dieser Wahlen, an denen sich zahlreiche
antiliberale KandidatInnen beteiligt haben, hat
sich eine Ausscheidung zwischen antiliberal und
antikapitalistisch ergeben. Wer um jeden Preis
eine einheitliche Kandidatur wünschte, jedoch
ohne sich für eine notwendige politische
Ausrichtung zu entscheiden, welche der Autonomie
der Lohnabhängigen den Vorzug gibt, ist der
Sozialdemokratie in die Niederlage gefolgt. Im
Verlauf der Debatten zeigten sich im antiliberalen
Lager eine Überschätzung des Parlamentarismus
und eine eigentliche Verweigerung der aussenparlament-arischen
Mobilisierung. Damit wurde der Weg für eine
Diskussion eröffnet über den Charakter
der Organisation, die es angesichts der aktuellen
Phase und dem massiven Wertezerfall der Arbeiterbewegung
aufzubauen gilt. Die LCR hat in der Folge die
Diskussion für die Schaffung einer neuen
antikapitali st ischen Partei eröffnet. An
ihrem Kongress haben über 80% der Delegierten
dieser Orientierung zugestimmt. Die Perspektive
dieser neuen antikapitalistischen Partei ist in
vielerlei Hinsicht nicht mit Rifondazione in Italien,
Die Linke in Deutschland oder Respect in Grossbritannien
zu vergleichen, weil diese Projekte alle nicht
mit der Sozialdemokratie gebrochen haben. Nehmen
wir eine Analyse des Leitungsmitglieds der LCR
Francois Sabado auf, welche in der Zeitschrift
Critique Communiste erschienen ist: „Die
neue antikapitalistische Partei präsentiert
sich als eine ausdrücklich antikapitalistische
Kraft. Eine Partei, deren Gravitationszentrum
bei den Kämpfen der sozialen Bewegungen und
nicht bei den Institutionen
liegt, eine Partei deren Gründungsmerkmal
die Zurückweisung jeglicher Bündnisse
und jeder Regierungsbeteiligung gegenüber
dem linken Zentrum oder dem Sozialiberalismus
ist, eine Partei die nicht beim Antiliberalismus
Halt macht, sondern bei der jegliche Politik sich
nach dem Bruch mit dem Kapitalismus und dem Sturz
der Macht der herrschenden Klasse orientiert.“
Erste
Schritte
Seit
dem Frühling 2008 haben sich in allen Regionen
Frankreichs lokale Komitees gebildet. Seit Anbeginn
hat dieser Prozess zahlreiche Interessierte angezogen,
viele Leute mit und ohne Erfahrungen in der Aktion,
im politischen oder gewerkschaftlichen Engagement.
Es muss betont werden, dass die Unterschiedlichkeiten
im Aktivismus und in der Analyse eine Einigung
auf der Basis des Antikapitalismus nicht verhindert
haben, und dass dieses Fundament solide verankert
ist. Am 5. und 6. April 2008 hielten die Jungen
der zukünftigen Partei ihr erstes nationales
Treffen ab, welches von 250 Personen besucht wurde.
Es zeigt sich, dass das Projekt auch die jüngeren
Generationen anspricht.
Das
erste Treffen der lokalen Kollektive hat Ende
Juni 2008 mit 800 Delegierten stattgefunden, wovon
etwa ein Drittel Mitglieder der LCR waren. Die
Delegierten repräsentierten circa 300 lokale
Komitees, die insgesamt etwa 10'000 AktivistInnen
umfassen. An diesem Weekend wurde eine gemeinsame
Erklärung verabschiedet und ein Ausschuss
von 60 Personen ernannt, der den Prozess begleiten
soll. Thematische Arbeitsgruppen wurden ins Leben
gerufen: Wohnquartiere, Unternehmen, Feminismus,
Ökologie, LGBTI (Lesbian Gay Bisexual Transgender
Intersexual), Presse, Kampagnen, Politik, Internetseite,
Jugend, Internationalismus. Man sieht, die Debatten
sind reich an Inhalten.
Doch
nichts ist von vornherein garantiert: „Die
Herausforderung ist, dass die aufzubauende Partei
wirklich neu sein muss. Dies verlangt, dass auch
theoretische Fragen wirklich angegangen werden“,
wie Francois Chesnais schreibt. Und die Situation
ist auch insofern neu, als „die neue Partei
in einem Moment entsteht, wo unter der Einwirkung
der Globalisierung eine qualitative Veränderung
der Grundbedingungen stattfindet, welche die täglichen
Existenzbedingungen der Lohnabhängigen und
der Unterdrückten prägen.“
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Kommunistisch
und revolutionär?
Auch Olivier
Besancenot hat sich anlässlich seiner
verschiedenen Wahlauftritte dem normierenden
und letztlich integrierenden Sog der Notwendigkeit
zu gefallen, um die Wahlchancen zu erhöhen,
nicht ganz entziehen können. Es gibt
innerhalb der LCR zweifellos mehrheitlich,
nicht aber ausschliesslich das Bedürfnis,
etwas Neues, Zukunftsträchtiges zu
gründen. Manche haben allerdings auch
das Motiv, von Ausdrücken wie „communiste“
und „révolutionnaire“,
die im Namen der LCR festgeschriebenen sind,
Abstand zu nehmen, weil sie sie für
nicht mehr zeitgemäss halten.
Wenn wir
auf unsere eigene Geschichte zurückblicken,
ist die Anzahl revolutionär denkender
AktivistInnen, die sich im Räderwerk
und dem normierenden Rahmen der bürgerlich-demokratischen
Institutionen dem Mainstream angepasst haben,
weitaus höher als die Zahl der gemässigten
PolitikerInnen, die im Verlauf ihrer Erfahrungen
von Radikalität im Denken und Handeln
gepackt und zu Revolutionären wurden.
Es ist schön
und gut, die Arbeit in den Bewegungen und
auf der Strasse zu beschwören, doch
muss man diese dann, angesichts der Bequemlichkeiten
eines institutionellen Weges (und dem Geldsegen,
den dieser mit sich bringt) auch durchzuhalten
im Stande sein. Wir warten gespannt auf
die Entwicklung der NPA (Red.). |
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