| Unter
dem Motto „40 Jahre 68“ fand Anfang
Mai ein dreitätiger Kongress an der Humbolt-Universität
Berlin statt. Organisiert wurde die Veranstaltung
durch den der Linkspartei nahestehenden Sozialistisch-Demokratischen
Studierendenverband (Die Linke.SDS). Insgesamt
1300 Personen, überwiegend aus Deutschland,
aber auch aus Österreich und der Schweiz,
waren anwesend.
Mehr
als Hochschulpolitik!
An
zahlreichen und thematisch vielfältigen Workshops
und Podiumsgesprächen, aber auch im Rahmen
persönlicher Begegnungen wurden Analysen
und Forderungen bezüglich Bildungspolitik,
aber auch zu allgemeinen Themen wie Imperialismus
oder Demokratie ausgearbeitet. Vor allem in einem
Punkt waren sich die meisten TeilnehmerInnen einig:
Hochschulpolitik ist immer auch Gesellschaftspolitik!
Denn die zahlreichen Missstände und Probleme,
mit denen die Studierenden von heute konfrontiert
werden, lassen sich alleine durch Hochschulreformen
nicht lösen. Die teilweise massive Verteuerung
des Studiums durch Abbau des Stipendienwesens
oder der Erhöhung von Studiengebühren
ist nur der bildungspolitische Auswuchs neoliberaler
Politik, die beinahe alle Bereiche der Gesellschaft
korrumpiert hat. Auch der zunehmende Einfluss
von Privatkonzernen an den Universitäten
und Fachhochschulen (Rüstungskonzerne in
Frankreich, Pharmaunternehmen in der Schweiz,
Automobilkonzerne in Deutschland), der Abbau „volkswirtschaftlich
irrelevanter“ Studiengänge, die zunehmende
Privatisierung und Konkurrenz unter den verschiedenen
Bildungsstandorten, all diese Probleme sind nicht
nur Folgen verfehlter Bildungspolitik, sondern
Folgen des Kapitalismus selbst. Die Zugangsbeschränkungen
zum Masterstudiengang sind keine bildungspolitische
Beliebigkeit, sondern reflektieren die soziale
Selektion und das Konkurrenzdenken im Kapitalismus.
Kritische
Wissenschaft
Neben
einer politischen Mobilisierung gegen eben diese
Missstände und der Ausarbeitung bildungspolitischer
und gesamtgesellschaftlicher Alternativen zum
Kapitalismus stand auch die Forderung nach einer
kritischen Wissenschaft immer wieder im Zentrum
der Debatte. Studierende – egal ob in der
Rolle als StudentInnen, Lehrpersonen oder ForscherInnen
– sollten sich demnach einzig und alleine
dem Streben nach Wissen selbst verpflichtet fühlen,
anstatt den Interessen und Forderungen von Wirtschaft
und Politik nachzugehen. Gerade die Universitäten
sollten auch dazu dienen, gesellschaftliche Verhältnisse
kritisch zu hinterfragen und allenfalls auch zu
bekämpfen. Dazu aber ist es notwendig, dass
sich Studierende untereinander und zusammen mit
anderen Teilen der Gesellschaft organisieren und
vernetzen. Die flächendeckende Selbstorganisation
der Studierenden innerhalb politischer Organisationen,
die sowohl theoretische als auch praktische Arbeit
leisten, ist und bleibt somit eines der Hauptziele
für die kommenden Jahre.
Die
letzte Schlacht gewinnen wir
Eine
wirklich demokratische, kritische und zugleich
für alle offene Universität ist im Kapitalismus
nicht realisierbar. Die grundsätzlichen Fragen
nach antikapitalistischen Perspektiven sind unter
gewandelten Bedingungen bestehen geblieben. Die
„letzte Schlacht“ als Bezeichnung
für die Überwindung des Kapitalismus
– und damit auch der aktuellen Bildungspolitik
– gilt es nach wie vor zu gewinnen.
Studierendenorganisation Schweiz!
In
Erwägung dieser und vieler anderer Fragen
haben Studentinnen und Studenten aus Basel beschlossen,
auch in der Schweiz einen Studierendenverband
zu gründen. Anders als der SDS in Deutschland,
der sich nie klar von der Linkspartei distanziert
hat (obwohl diese etwa in Berlin zusammen mit
der SPD an Sozialabbauprojekten beteiligt ist),
soll die Studierendenorganisation in der Schweiz
parteipolitisch und organisatorisch unabhängig
sein. |