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Die
amerikanische und europäische Finanzoligarchie
und ihre politischen Vertreter in den Regierungen,
Parteien und der Wirtschaft wollen einen ökonomischen
Plan durchsetzen: Die Ressourcen der Gesellschaft,
die von der Arbeit von Millionen erzeugt werden,
sollen dafür mobilisiert werden, den Wohlstand
der Reichen und Superreichen zu erhalten. Dabei
haben die globalen Konzerne, auch und insbesondere
die Finanz- und Versicherungsinstitute, in den
letzten Jahren Tausende Milliarden an Profiten
gescheffelt. Die UBS hat in der Zeitspanne von
2002 bis 2006 jedes Jahr einen neuen Rekordgewinn
verkündet (2006 über 14 Milliarden Franken)
und in diesen vier Jahren die Dividende an ihre
Aktionäre mehr als verdoppelt.
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| Demonstration
vom 15. November 2008 am Paradeplatz in Zürich. |
Gleichzeitig
haben die Reallöhne eines grossen Teils der
Lohnabhängigen - in der Schweiz und überall
- stagniert oder sind gesunken. Von den Millionen
Menschen, die in den Fabriken Waren herstellten,
auf dem Bau schufteten, in Krankenhäusern
oder an einer Verkaufskasse arbeiteten, hiess
es plötzlich, sie seien zu unproduktiv, zu
langsam und zu teuer, wenn nicht überhaupt
überflüssig.
Nicht
die Lohnabhängigen sollen die Krise bezahlen
Sofortige Schutzmassnahmen sind nötig, insbesondere
massive Lohnerhöhungen für die grosse
Mehrheit der Lohnabhängigen. Dasselbe gilt
für Leistungen, die einem indirekten Lohn
gleichkommen: die Altersvorsorge, die IV, Arbeitslosenversicherung
und Sozialdienste. StudentInnen und Lehrlinge
brauchen Stipendien, keine Kredite. Die Kaufkraft
der Menschen jenseits vom Reichtum muss erhöht
werden.
Soeben
hat der Bundesrat den Mindestsatz auf die Altersguthaben
in der zweiten Säule von 2,75 auf 2 Prozent
gesenkt. Bis 2002 lag er noch bei 4 Prozent. Damit
bekommen die Lohnabhängigen eine direkte
Auswirkung der Krise zu spüren. Die obligatorische
Zweite Säule ist nicht nur abhängig
von den Schwankungen der Finanzmärkte; sie
trägt selbst durch das Zwangssparen der Versicherten
mit gigantischen Summen dazu bei, dass sich der
Finanzsektor aufgebläht hat und die Hedge-Fonds
und Finanzinvestoren mit Riesensummen ihre Spielchen
treiben können. Die obligatorische zweite
Säule und Steuervergünstigungen für
das individuelle Sparen (dritte Säule) müssen
abgeschafft und die Rechtsansprüche und finanziellen
Mittel auf die erste Säule überführt
werden. Diese gilt es als "Super- AHV"
auszubauen, mit dem Ziel existenzsichernder Renten
für alle.
Die
Privatisierungen seit den 1980er- Jahren waren
ein Schmiermittel eben dieser Aufblähung
der Finanzgeschäfte. Sie gilt es rückgängig
zu machen. Insbesondere
in den Bereichen Soziales, Bildung, Gesundheit,
Kommunikation und Verkehr sollte der Staat seine
Dienstleistungen massiv ausbauen und besser auf
die tatsächlichen sozialen Bedürfnisse
zuschneiden.
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Verwaltungsratspräsident
der
UBS Peter Kurer |
Eine
andere Welt ist nötig
Eine
Ära des Kapitalismus scheint zu Ende. Das
Finanzsystem ist angeschlagen. Die Frage drängt
sich unmittelbar auf: Weshalb sollten die Ressourcen
der Gesellschaft verwendet werden, um die winzige
Minderheit der sagenhaft Reichen zu retten, die
vom Finanzsystem profitieren? Wenn die Verluste
sozialisiert, die Kosten von der ganzen Gesellschaft
getragen werden sollen, weshalb sollten dann nicht
auch die Profite sozialisiert werden? Die Grossbanken
müssen enteignet werden; ein öffentlicher
Bankensektor im Interesse der ganzen Gesellschaft
muss entwickelt werden. Es ist höchste Zeit,
mit einem Gesellschafts- und Wirtschaftssystem
Schluss zu machen, dessen ureigenste Funktionsweise
sich auf den kapitalistischen Markt und die unablässige
Jagd nach Profit stützt und damit die Bevölkerung
der ganzen Welt mit einer wirtschaftlichen Katastrophe
bedroht.
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Zwei
UBS und ein (Alb-)Traum
Bei
der Diskussion über den Rettungsplan
ist immer nur von einer UBS die Rede, die
ihren Sitz in Zürich hat. Die meisten
Spekulationsgeschäfte, die zur Anhäufung
„toxischer Papiere“ geführt
haben, wurden jedoch von der UBS Investment
Bank mit 30'000 Angestellten und Sitz in
New York getätigt. Diese amerikanische
UBS hatte auch den Anlagefonds Dillon Read
Capital Management ins Leben gerufen, der
bereits im Mai 2007 mit grossen Verlusten
geschlossen wurde. Warum sollen die SteuerzahlerInnen
in der Schweiz die Rechnungen der amerikanischen
UBS begleichen? Für die UBS steht in
den USA die Banklizenz auf dem Spiel, weil
sie in Rechtsverfahren wegen Steuerflucht
und Missachtung gesetzlicher Regeln über
den Verkauf von „innovativen Finanzprodukten“
verwickelt ist. Daher „verzichtet“
die UBS auf Mittel aus dem USRettungspaket
(Paulson Plan), und die Schweizerische Nationalbank
übernimmt die „toxischen Papiere“
in der Höhe von 60 Mrd. Franken. Ohne
amerikanische Banklizenz wäre der Traum,
ein Global Player der Finanzwelt zu sein,
mit einem Schlag ausgeträumt. Aber
was haben wir denn von diesem Traum? |
| Wer
macht die Welt unsicher?
Am 17. Oktober, einen Tag nach Ankündigung
des UBS-Pakets, fand in Bern eine Demo zum
Internationalen Tag gegen Armut und Ausgrenzung
statt. Wir bringen einen Auszug aus der
Rede des kritischen Soziologen Kurt Wyss.
Warum werden die vom Staat unterstützten
Bankmanager und Investoren nicht denselben
Schikanierungen und Kontrollen unterzogen,
die den Alltag der Sozialhilfebezüger/
innen und Erwerbslosen prägen? (Red.)
Wie
ihr alle wisst, werden die Armutsbetroffenen
in der Schweiz seit Jahren immer wieder
und immer neu diffamiert. Es traf und trifft
die um eine Invalidenrente nachsuchenden
Menschen mit einer Behinderung; es traf
und trifft die Asylsuchenden; es traf und
trifft die Bettelnden, es traf und trifft
die Sozialhilfebezüger/ innen, es traf
und trifft die Sans- Papiers, es traf und
trifft die aufmüpfigen armutsbetroffenen
Jugendlichen usw. usf. Sie alle wurden und
werden als Illegale, als Missbrauchende,
als Simulanten, als Betrüger, als Faule,
als Hängemattenexistenzen, als Sozial-schmarotzer
und vieles andere mehr gebrandmarkt.
Solche
Attacken gegen die Armen kamen und kommen
nicht nur von rechts, nicht nur von den
Neokonservativen und den Neoliberalen, sie
kamen und kommen auch von so genannt links,
von den neuen Sozialdemokraten (New Labour).
Auch sie wollen noch mehr Repression gegen
die ganz unten.
Aber wer macht denn die Welt unsicher? Sind
es wirklich die Armutsbetroffenen, die beständig
um ihre nackte Existenz fürchten müssen,
oder nicht vielleicht doch eher die, die
permanent Steuergeschenke erhalten, denen
man Renditen von 20 bis 30 Prozent ermöglicht,
die mit Staatsgarantien in Milliardenhöhe
genau dann versorgt werden, wenn ihre Spekulationen
in die Hosen gegangen sind? Wer lässt
sich auf Kosten der Allgemeinheit von Diner
zu Diner und von Event zu Event chauffieren,
wer lässt mit einem Mausklick die Nahrungsmittelpreise
in die Höhe schnellen, wer produziert
all die Spekulationsblasen, die alle Paar
Jahre mit einem riesigen Knall zu Lasten
der Allgemeinheit explodieren? Sind es die
Armutsbetroffenen?
Im
März 2008 kam für die Stadt Zürich
ein Untersuchungsbericht heraus, in welchem
für 473 Sozialhilfedossiers untersucht
wurde, ob der Vorwurf, dass es sich bei
zwei Dritteln um Missbrauchsfälle handelt,
berechtigt sei. Statt der eingeklagten zwei
Drittel fand man gerade in 12 Fällen
Unregelmässigkeiten, was – wie
es im Bericht heisst – zu einem „unwiederbringlichen
finanziellen Schaden“ von 24'627 Fr.
geführt hat.
Was
macht die Welt unsicher? Sind es die 24'627
Fr. zu viel bezogener Sozialhilfegelder
oder sind es nicht vielleicht doch die unglaublichen
Spekulationen von Banken wie der UBS in
zigfacher Milliardenhöhe? Kurt Wyss,
kritischer Soziologe aus Zürich. |
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