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Bei
seiner Abschiedsrede vom 17. Januar 1961 warnte
US-Präsident Eisenhower vor den Gefahren
für die Demokratie, die von der systematischen
Kooperation und Verflechtung ranghoher Politiker
und Militärs mit der Rüstungsindustrie
ausgehen. Der scheidende Präsident, der selbst
eine Karriere im Pentagon gemacht hatte, sprach
von einem militärisch-industriellen Komplex,
um diesen Machtfaktor in der Politik des Landes
zu beschreiben.
Der
schweizerische Kapitalismus erobert internationale
Märkte eher durch „Freihandel“
und Investitionen als mit Waffengewalt; am liebsten
fährt er im Windschatten der dominanten imperialistischen
Mächte, ohne politische und militärische
Risiken einzugehen. Daher hat die Rüstungsindustrie
hierzulande weniger Gewicht als in den USA. Ein
zentraler Machtfaktor ist dagegen die Finanzindustrie
(Banken, Versicherungen, Anlagefonds, etc.). Sie
ist eng mit politischen Behörden und Hochschuleinrichtungen
verflochten.
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| Professor
Jean-Pierre Danthine wird mit einem Sitz im
Direktorium der Nationalbank belohnt. |
Hans
Ulrich Doerig steht an der Spitze der Credit
Suisse Group und der Universität Zürich. |
Finanzminister
Merz beauftragt am liebsten Banker mit der
Aufsicht über die Banken |
Banken
durch Banker regulieren
Die
Schweizerische Nationalbank (SNB) ist laut Gesetz
eine unabhängige Einrichtung im Dienste der
Allgemeinheit. Der Bundesrat darf ihr keine Weisungen
erteilen. Allerdings ernennt er die Mitglieder
des Direktoriums. Und die Unabhängigkeit
war kein Hindernis für die SNB, um im Oktober
2008 in Geheimverhandlungen mit dem Finanzdepartement
von Hans-Rudolf Merz (FDP) den UBS-Rettungsplan
auszuarbeiten. Eine zentrale Rolle spielte Philipp
Hildebrand, der Vizepräsident des Direktoriums.
Bevor er 2003 in dieses hohe Amt ernannt wurde,
war er (nach einer kurzen Tätigkeit für
das World Economic Forum WEF) im privaten
Anlagen- und Bankgeschäft tätig: bei
Moore Capital Management in London und
New York, bei der Vontobel Gruppe in
Zürich und bei der Union Bancaire Privée
in Genf.
Die
tatsächliche Unabhängigkeit –
gegenüber der Finanzbranche – muss
auch bei der Finma (Finanzmarktaufsicht),
die den Finanzplatz im Interesse der Allgemeinheit
überwachen soll, in Zweifel gezogen werden.
Verwaltungsratspräsident Eugen Haltiner hat
bei der UBS Karriere gemacht (1993 bis 2006).
Vizepräsidentin Monica Mächler stand
1990-2001 im Sold des Versicherungskonzerns Zurich
Financial Services Group; 2007-08 war sie
Direktorin des Bundesamts für Privatversicherungen,
das für die Aufsicht der Versicherungsbranche
zuständig ist. Finma- Direktor Patrick Raaflaub
war beim Rückversicherer Swiss Re
tätig. Die Liste könnte verlängert
werden. Der Bundesrat hält es für sinnvoll,
Banken- und Versicherungsmanager mit der Aufsicht
der Banken und Versicherungen zu beauftragen.
Kein Wunder: Finanzminister Merz war vor der Wahl
in den Bundesrat Verwaltungsratspräsident
der ANOVA Holding von der Grossindustriellenfamilie
Schmidheiny und weiss, was es heisst, als Führungskraft
von der Privatwirtschaft in die Politik zu wechseln.
Forschen
für den Finanzplatz
Verbindungen
zu den Hochschulen sind in den letzten Jahren
für die Wettbewerbsfähigkeit des Finanzplatzes
wichtiger geworden. Die Universitäten haben
ihre Aktivitäten in dem Bereich ausgebaut.
An der Uni Zürich existiert seit 1968 ein
Institut für das Schweizerische Bankenwesen
(ISB), das heute 14 Professuren umfasst. Im Beirat
sitzen drei Bankenvertreter, ein Mitglied des
SNBDirektoriums (Thomas Jordan) und eine Person
von der Beraterfirma PriceWaterhouseCoopers.
Natürlich erhält das Institut auch finanzielle
Mittel von den Banken. An der Uni Lausanne (HEC)
wurden die Finanzwissenschaften seit Beginn der
1990er Jahre stark ausgebaut. Eine wichtige Rolle
spielte Professor Jean-Pierre Danthine, der 1996
das Programm FAME (Financial Asset Management
and Engineering) lancierte. In enger Kooperation
mit 'Leuten aus der Praxis’ werden Nachwuchskräfte
im Anlagengeschäft ausgebildet und Ideen
für 'innovative Finanzprodukte’ entwickelt.
Auch die 1996 gegründete Università
della Svizzera Italiana in Lugano hat ein
finanzwissenschaftliches Institut.
In
Zürich verkörpern vor allem zwei Herren
die symbiotische Beziehung des Finanzplatzes zu
seiner Universität. Hans Geiger, auch als
SVP-Mitglied bekannt, war bereits 1968 bei der
Gründung des ISB unter Ernst Kilgus dabei
– damals als Assistent. Ab 1970 hat er bei
der Credit Suisse (damals Schweizerische
Kreditanstalt SKA) Karriere gemacht. Er kehrte
1997 ans ISB zurück, nun gewählt als
ordentlicher Professor. Inzwischen ist er im Ruhestand.
Seine Abschiedsvorlesung vom 27. Mai 2008 widmete
er dem sehr aktuellen Thema „Banken und
Vertrauen“. 1
Hans-Ulrich Doerig wurde kürzlich zum Präsidenten
des Verwaltungsrats der Credit Suisse
ernannt. Er blickt auf eine interne Karriere zurück,
die 1973 mit dem Eintritt in die SKA begann. Doerig
hat lange Jahre an der Uni gelehrt und ist Mitglied
des Universitätsrates, des obersten Leitungsgremiums
der Hochschule. Auf dessen Internetseite lässt
er sich so vernehmen: „Die Universität
Zürich als grösste Universität
der Schweiz hat eine spezielle Verantwortung der
internationalen Konkurrenzfähigkeit in Lehre,
Forschung und Dienstleistungen. In ausgewählten
Gebieten muss sie zu den Weltbesten gehören.
Damit leistet sie einen entscheidenden Beitrag
zum Standort Schweiz.“2
Ohne Zweifel soll das Finanzgeschäft eines
dieser ausgewählten Gebiete sein.
FINRISK
und SFI
Starken
Auftrieb erhielt der akademischfinanzielle Komplex
2001 durch die Entscheidung des Schweizerischen
Nationalfonds für die Förderung der
wissenschaftlichen Forschung (SNF), einen nationalen
Forschungsschwerpunkt im Finanzbereich einzurichten.
Es handelt sich um das Programm FINRISK (Financial
Valuation and Risk Management), das unter
der Leitung von Professorin Raijna Gibson vom
ISB steht. Sie sitzt auch im Board of Directors
des Versicherungskonzerns Swiss Re, und
bis 2004 war sie Mitglied der eidgenössischen
Bankenkommission. Zur Bedeutung des Programms
für den Finanzplatz äusserte sich UBSChefökonom
Klaus Wellershoff in einer Broschüre des
SNF folgendermassen: „Ein Forschungsschwerpunkt,
der sich thematisch mit innovativen Fragestellungen
des wirtschaftlich stärksten Sektors der
Schweizer Wirtschaft auseinandersetzt, hilft,
den bestehenden Vorsprung gegenüber der Konkurrenz
zu sichern.“3
Die Banken wollten aber selbst nicht untätig
bleiben. 2005 gründete die Bankiervereinigung
mit Unterstützung des Bundes und in Kooperation
mit den öffentlichen Hochschulen das Swiss
Finance Institute (SFI) mit Sitz in Zürich.
Das durch den Lausanner Ökonomen Jean- Pierre
Danthine geleitete Institut bildet Finanzmanager
und Finanzwissenschaftler aus und betreibt auch
eigene Forschung. Beinahe 50 Hochschulprofessoren
aus der ganzen Schweiz sind als Mitglieder der
'Fakultät’ eingetragen. Viele sind
auch beim Programm FINRISK tätig. Die Personalunion
ist da eher die Regel als die Ausnahme.
Ein
würdiger Nachfolger
Ende
Jahr tritt Jean-Pierre Roth, der Präsident
des Direktoriums der SNB, in den verdienten Ruhestand.
Zum Nachfolger hat der Bundesrat Jean-Pierre Danthine
erkoren. So schliesst sich der Kreis. Die Ernennung
in eines der höchsten Ämter, das ein
Ökonom in der Schweiz anstreben kann, ist
eine Belohnung der beharrlichen Arbeit für
den akademisch-finanziellen Komplex. In einem
Interview räumte Danthine allerdings ein,
die Finanzwissenschaften seien unfähig gewesen,
die gegenwärtige Krise kommen zu sehen und
zu verstehen.4
Warum wohl? Vielleicht würde der Forschung
mehr Distanz gegenüber der Finanzbranche
gut tun? Wir können sicher sein, dass der
Lausanner Ökonom zu einem ganz anderen Schluss
gekommen ist und seine Tätigkeit bei der
SNB im selben Geiste verrichten wird wie bisher
am SFI.
1 Das Referat ist zu finden
auf der Seite:
http://www.isb.uzh.ch/sonderanlaesse/
2 Zu finden auf der Seite: http://www.uzh.ch/
about/management/unirat.html
3 S7F: Spitzenforschung made in Switzerland.
Strategische Schwerpunkte in der Forschung. S.
15
4 Jean-Pierre Danthine. Il faudra un
développement majeur de la science
économique. L’Hebdo, 23.4.2009 |