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Eine Tabelle des Bundesamtes für Statistik
zeigt: Väter von kleinen Kindern arbeiten
73 Stunden pro Woche, Frauen 71 Stunden. Haben
wir also die Gleichstellung endlich erreicht?
Zunächst einmal gilt festzuhalten, dass die
gearbeiteten Stunden nicht für beide Geschlechter
die gleichen sind. Männer leisten 41 Stunden
bezahlte Arbeit, Frauen nur 12 Stunden pro Woche.
Die vielen bezahlten Arbeitsstunden von Männern
bedeuten ein entsprechendes Einkommen, während
die meiste Arbeitszeit von Frauen nicht entlöhnt
wird und sich davon auch keine sozialen Ansprüche
herleiten lassen.
Zwölf
Stunden pro Woche?
Dann
ist zu berücksichtigen, dass die genannten
Zahlen Durchschnittswerte sind. Für Männer
stellt sich damit kein Problem, denn diese arbeiten
fast alle Vollzeit: Nur 5% arbeiten leicht reduziert
in Teilzeit, auch wenn ein Kind unter 6 Jahren
da ist. Für Frauen ist die Lage komplizierter.
Zwölf Stunden sind ein Durchschnitt zwischen
jenen, die sich entscheiden, die Erwerbsarbeit
aufzugeben (teils unter dem Druck der Arbeitgeber)
– das sind circa 35% der Mütter von
Kindern unter 6 Jahren – und jenen Frauen,
die erwerbstätig bleiben. Unter den erwerbstätigen
Frauen ist der Anteil derjenigen mit hohem Teilzeitpensum
(zwischen 50% und 89%) stark angestiegen und liegt
derzeit bei ungefähr 22% für Mütter
von Kindern unter 6 Jahren.
Neben
ihrer Vollzeitanstellung leisten Väter von
kleinen Kindern durchschnittlich 32 Stunden Haus-
und Erziehungsarbeit, das sind 7,2 Stunden mehr
als noch 1997. Das heisst aber noch nicht, dass
die Männer die Helden der Haus- und Erziehungsarbeit
wären: Die Zunahme ihrer Beteiligung an diesen
Aufgaben ist zwar signifikant und in absoluten
Zahlen sind es die Männer mit kleinen Kindern,
die am meisten Haus- und Erziehungsarbeit leisten.
Jedoch fällt auf, dass “der Zeitaufwand
der Männer, ausgedrückt in Prozent des
Aufwands der Frauen in vergleichbarer Familiensituation,
im Verhältnis kleiner ist als in Paarhaushalten
ohne Kinder. Dies kann als Hinweis einer verstärkten
Rollenteilung in Paarhaushalten mit Kindern interpretiert
werden. Diese verstärkt sich mit zunehmenden
Alter und grösserer Anzahl der Kinder.”2
Gleichberechtigung ist also noch lange nicht erreicht:
Sobald Kinder da sind, verstärkt sich faktisch
die traditionelle Rollenteilung.
1997-2007:
Keine Revolution
Was
sich in diesem Jahrzehnt am deutlichsten geändert
hat, ist die Anzahl der erwerbstätigen Mütter.
Interessant ist, dass sich der Aufwand für
Haus- und Familienarbeit für Frauen nicht
proportional reduziert im Verhältnis zum
Anstellungsgrad, sondern sich im Gegenteil leicht
erhöht! Insgesamt leisten Frauen 59 Stunden
Haus- und Erziehungsarbeit pro Woche. Vollzeit
erwerbstätige Frauen in Paarhaushalten arbeiten
nur 11 bis 14 Stunden weniger zu Hause als Frauen,
die nicht erwerbstätig sind! “Rund
acht von zehn Frauen, die in Paarhaushalten mit
Kindern unter 15 Jahren leben, tragen die Hauptverantwortung
der Hausarbeit alleine.”3
Die
verfügbare Zeit für Familien genügt
schlicht nicht. Damit Erwerbs- und Familienarbeit
gerecht verteilt und die Gesamtbelastung der Eltern
mit über 70 Stunden pro Woche reduziert werden
kann, sollte in absehbarer Zeit eine drastische
Arbeitszeitverkürzung eingeführt werden.
1
Marie-Claude Martin: "La double journée
de travail des femmes? Un mythe!" Le Matin
Dimanche, 20.9.2009
2 Bundesamt für Statistik, Veränderungen
beim Zeitaufwand für Haus- und Familienarbeit:
1997-2007, Neuenburg 2009.
3 Bundesamt für Statistik, Auf dem Weg zur
Gleichstellung von Frau und Mann, Neuenburg 2008. |