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Dass hohe Schuhe, die längeres Gehen oder
gar die Fortbewegung auf Waldwegen unmöglich
machen, Ausdruck einer sexistischen Schönheitsvorstellung
sind, ist in der Linken allgemein anerkannt. Ebenso
sieht es mit langen Fingernägeln aus, die
jegliche handwerkliche Tätigkeit unterbinden.
Sich dem zu widersetzen, stösst in der Regel
denn auch auf Verständnis. Derartige Beispiele
liessen sich noch viele finden.
Andere
Vorstellungen von Schönheit werden hingegen
völlig unreflektiert übernommen, obwohl
sie ebenso sexistische Hintergründe haben.
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| Das
heute von vielen berühmten Persönlichkeiten
vorgelebte Schönheitsi-deal führt
bei vielen Frauen zu Essstörungen und
Magersucht. 10 Prozent aller an Magersucht
erkrankten Frauen (und teilweise Männer)
überleben ihre Krankheit nicht. |
Fetischismus
Im Allgemeinen wird eine Person auch dann akzeptiert,
wenn sie keine „Traumfigur“ hat. Versucht
eine Person aber nicht, diese zu erreichen, bzw.
erklärt laut, dass dies gar nicht ihr Ziel
ist, wird ihr unter Umständen mit Skepsis
und Ablehnung begegnet. Sein Bäuchlein schön
finden und damit zufrieden sein gilt oft als Zeichen
mangelnden Körper- und Gesundheits-bewusstseins.
Schönheitsnormen
sind in den verschiedenen Kulturkreisen höchst
unterschiedlich. Für EuropäerInnen gilt
braungebrannt sein als schön, in Indien und
Südostasien hingegen wird mit allen Mitteln
versucht, eine helle Haut zu erreichen. Ist heutzutage
dünn sein anerkannt, so war vor gerade mal
hundert Jahren noch das Gegenteil der Fall. Und
- besonders überraschend - in einigen Regionen
Afrikas bemühen sich Frauen mit Crèmes
und andern Utensilien, den Wuchs ihrer Körperbehaarung
zu fördern.
Der
Spruch „Man will immer das, was man nicht
hat“ hat also rund um den Globus Gültigkeit.
Interessanterweise scheint es also nicht darum
zu gehen, wie das Resultat am Ende aussieht, denn
was schön ist, ist äusserst subjektiv.
Viel wichtiger ist, dass es schwierig ist, das
Schönheitsideal zu erreichen, so dass der
Grad der Bemühungen dahin zeigt, inwiefern
eine Frau daran interessiert ist, Männern
zu gefallen und umgekehrt. Dabei gelten in verschiedenen
Subkulturen verschiedene Vorstellungen von schöner
Kleidung, die unterschiedlich streng eingehalten
werden müssen. Der Style ist extrem verschieden,
nur ungestylt wird selten anerkannt.
Kindlichkeit
gilt als schön, zumindest für Frauen
Besonders in zwei Punkten reduzieren die aktuellen
Schönheitsvorgaben Frauen auf ein kindliches
Niveau. Was die Figur angeht, so erlaubt das westliche
Schönheitsideal nur 10-15% sichtbaren Körperfettanteil.
Im Durchschnitt ist aber ein wesentlich höherer
Körperfettanteil „normal“, ungefähr
20-25%. Als normal wird das Körpergewicht
betrachtet, dass sich bei ausgewogener Ernährung
und genügend Bewegung einpendelt. Die heutigen
Vorstellungen von Schlankheit beziehen sich auf
eine Figur, die eigentlich der vorpubertären
Figur entspricht. Im Erwachsenenalter ist dies
für die Mehrheit der Frauen nur mit absichtlicher,
teils gesundheitsschädigender Mangelernährung
zu erreichen.
Dieser
Trend gilt nicht für Männer, denn bei
Männern gelten breite Schultern, sichtbare
Muskulatur, also die Nachpubertäre Figur
als schön.
Der
zweite Aspekt ist noch wesentlich sensibler, denn
über keine andere Schönheitsvorstellung
gibt es einen so breiten Konsens. Ein weiterer
Bereich des Körpers, der sich mit dem Erwachsenwerden
verändert, ist die Körperbehaarung,
besonders jene unter den Armen und im Intimbereich.
Es gilt gesellschaftlich als unzulässig,
diese nicht zu entfernen, was ebenso eine Verneinung
des äusserlichen Erwachsenwerdens darstellt.
Dies sind aber längst nicht die einzigen
Aspekte der Kindlichkeitsnorm, die die Gesellschaft
dem weiblichen Geschlecht auferlegt. Auch über
blondierte Haare liesse sich anmerken, dass das
typische Kinderblond irgendwann im Alter von zehn
bis zwölf Jahren oft eindunkelt, und natürlich
gibt es unzählige psychologische Normen,
die Frauen kindliches Verhalten zuschreiben.

Schönheitsideale
und Konsum
Das
omnipräsente Schönheitsbild, das uns
vor allem von der Werbung vorgehalten wird, ist
mittlerweile auch für Models nur durch computergestützte
Bildnachbearbeitung zu erreichen. Unerreichbare
Schönheitsideale, sowohl für Männer
als auch für Frauen, sind eine prima Sache
für die Schönheits-industrie. Denn die
Unerreichbarkeit garantiert einen nie abreissenden
KundInnenstrom.
Darüber
hinaus sind umwerfend attraktive, fast immer weibliche
Personen ein prima Blickfang, um auf andere, zu
vermarktende Produkte hinzuweisen, aber das ist
ein anderes Thema.
Konklusion
Und
nun? Futtern wir, bis wir dicke Bäuche haben,
rasieren uns nicht mehr, und betrachten dann die
Emanzipation als vollzogen? Nichts könnte
falscher sein! Es wäre keineswegs emanzipatorisch,
das alte Schönheitsbild durch ein neues zu
ersetzen, das uns besser gefällt. Geschmäcker
sind verschieden, was bei Musik längst anerkannt
ist, muss auch beim persönlichen Aussehen
gelten. Wir sollten uns eingestehen, dass bequem
manchmal glücklicher macht als schön.
Wir sollten uns auf die Suche danach machen, wie
wir selbst uns gefallen. Es ist schwer, als einzige
Person im Sichtfeld völlig anders auszusehen
als alle anderen. Anstatt Witze und abwertenden
Bemerkungen zu machen, sollten wir uns gegenseitig
ermutigen, das zu leben, was uns persönlich
gefällt, damit Schönsein keine Pflichterfüllung
mehr ist. Und natürlich dürfen alle
Suggestoren des Einheitsschönheitsbildes
mit Aufklebern, Schriftzügen und sonstigem
in Angriff genommen werden! |