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dem Beginn des Krieges am 20. März 2003 wurden
nicht nur die Befürchtungen der irakischen
Bevölkerung, sondern auch diejenigen von
Millionen Menschen weltweit, welche sich zuvor
gegen den sich abzeichnenden Krieg eingesetzt
hatten, zur traurigen Realität. Die grosse
Mehrheit der Kriegsgegnerinnen und - gegner war
sich schon zu dieser Zeit bewusst, dass weder
die nie gefundenen Massenvernichtungswaffen, noch
die Gefahr, die von der irakischen Regierung unter
Saddam Hussein ausging, diesen Krieg erklären
konnten: Der Irak war (und ist) Opfer einer imperialistisch
motivierten Kriegsallianz unter der Führung
des USImperialismus geworden, welche mit einer
lang geplanten Invasion einmal mehr demonstrierte,
wie viel menschliches Elend sie zur Durchsetzung
ihrer ökonomischen und geopolitischen Interessen
in Kauf nimmt.
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Nicht
nur durch Waffengewalt, auch auf Grund des
teilweise zusammen-gebrochenen Gesundheitswesens
sind im Irak Zehntausende Kinder gestorben. |
Opferzahlen
als Politikum
Ebenso
verlogen wie die vorgebrachten Kriegsgründe
der US-Administration, ihrer Verbündeten
und grosser Teile der Massenmedien war in den
darauf folgenden Jahren auch deren Umgang mit
Studien, welche versuchten, die Opferzahlen im
Irak zu bemessen. Im Oktober 2006 veröffentlichte
die renommierte Fachzeitschrift 'The Lancet’
eine Studie1
der John Hopkins Universität. Diese kam zum
Ergebnis, dass zwischen März 2003 und Juni
2006 über 650'000 Menschen in Folge von Krieg
und Besatzung ums Leben kamen. Des Weiteren wurde
festgehalten, dass sich die Gewaltopfer im Irak
während des untersuchten Zeitraumes jährlich
fast verdoppelt haben. Die von einem irakischamerikanischen
Forschungsteam durchgeführte Lancet-Studie
wurde auf Basis einer Befragung von rund 13'000
repräsentativ ausgewählten Personen
erstellt. Diese wurden danach gefragt, ob und
wie viele Familienangehörige sie seit Kriegsausbruch
zu beklagen hätten. Für 90 Prozent der
angegebenen Todesfälle lagen Todesscheine
vor.
Obwohl die Studie auf Grund ihres genauen methodischen
Vorgehens unter Fachkreisen auf ein positives
Echo stiess, wurde sie von der US-Regierung und
der Mehrheit der Massenmedien als nicht glaubwürdig
diskreditiert oder schlicht todgeschwiegen. Dass
es sich hierbei um eine politisch motivierte Verleumdung
handelte, wird auch durch die Tatsache ersichtlich,
dass die Opferzahlen des Darfur- Konflikts oder
des Krieges im Kongo nach derselben Methode errechnet
wurden, allerdings ohne jemals angezweifelt zu
werden.
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Die
Besatzung stellt das grösste Hindernis
für einen Frieden im Irak dar. |
Manipulation
und Verharmlosung
Im
Januar dieses Jahres erschien in der Zeitschrift
'New England Journal of Medicine’ eine weitere
Studie2
über die Opferzahlen im Irak. Im Auftrag
des irakischen Gesundheitsministeriums und unter
Mitwirkung der Weltgesundheitsorganisation (WHO)
kam diese zu völlig unterschiedlichen Ergebnissen.
Demnach sollen zwischen März 2003 und Juni
2006 – also innerhalb des Zeitrahmens, in
welchem die Lancet-Studie von über 600'000
Toten sprach – lediglich 151'000 Menschen
ums Leben gekommen sein. Die weitaus tieferen
Angaben des von der USBesatzungsmacht finanziell
und politisch abhängigen Gesundheitsministeriums
lassen sich vor allem durch methodisch unsauberes
Vorgehen erklären. Auch diese Studie basiert
zwar auf Personenbefragungen, allerdings konnten
rund 11 Prozent der zuvor repräsentativ ausgewählten
Haushalte „aus Sicherheitsgründen“
nicht befragt werden, so dass die Zahlen mit Hilfe
von Vergleichsstudien nachträglich nach oben
korrigiert werden mussten. Dass sich gerade diese
11 Prozent der Haushalte in Gebieten befinden
(u.a. Teile der Hauptstadt Bagdad), in denen die
meisten Opfer zu beklagen sind, liegt nahe. Der
angesehene Statistikexperte des US-Magazins 'Counter-punch’
Pierre Sprey bezeichnete die methodische Vorgehensweise
der Studie als „reine Spekulation“.
Hinzu
kommt, dass die Zahl von 150'000 Toten lediglich
sogenannte „gewaltsame Todesopfer“
umfasst. Somit wurde ein Grossteil der Opfer,
die etwa auf Grund der durch den Krieg teilweise
völlig zusammengebrochenen Infrastruktur
(Gesundheitsversorgung, Verkehr usw.) ums Leben
kam, nicht miteinbezogen. Auf Druck der USA hat
das irakische Gesundheitsministerium übrigens
sämtlichen Kranken- und Leichenhäusern
im Irak untersagt, die von ihnen registrierten
Todesfälle publik zu machen3.
Nur eine der Facetten des „neuen, freien
und demokratischen“ Iraks.
Über
eine Million Tote
Die
neuste Studie4
zu den Opferzahlen im Irak hätte wohl –
angesichts ihrer aufrüttelnden Ergebnisse
– für einiges Aufsehen sorgen müssen.
Doch auch sie wurde vom medialen Mainstream weitestgehend
ignoriert. Das grösste britische Meinungsforschungsinstitut
'Opinion Research Business’ beziffert die
Todesopfer seit Beginn des Irakkrieges auf 1.03
Millionen. 20 Prozent der vom ORB befragten rund
2400 Personen gaben an, mindestens ein Mitglied
ihres Haushaltes verloren zu haben (siehe Tabelle).
Zwar ist der befragte Personenkreis in dieser
Studie weitaus kleiner als bei den vorangegangenen
Studien aus den USA bzw. dem Irak, dennoch ist
die Untersuchung auf Grund ihrer Unabhängigkeit
und ihrer methodisch korrekten Vorgehensweise
glaubwürdig.
Nur
ein Teil der Geschichte
Über
1 Million Tote: So schockierend diese Zahl auch
sein mag, sie vermag die katastrophalen Folgen,
welche die von den USA angeführte imperialistische
Besatzungspolitik verursacht hat, dennoch nur
anzudeuten. Nach 5 Jahren der Besatzung, der Demütigung
und der wirtschaftlichen und kulturellen Ausplünderung
durch die USA und ihre Verbündeten ist die
Lage im Irak in fast jeder Hinsicht katastrophal.
Nicht nur die Besatzung, auch die dem Krieg vorangegangene
Herrschaft der Bath-Partei unter Saddam Hussein
sowie das gegen den Irak verhängte Wirtschaftsembargo,
welches laut Angaben der WHO im übrigen einer
weiteren Million Menschen das Leben gekostet hat,
haben den Irak in die Armut getrieben und politisch
destabilisiert.
Heute
sind im Irak Bombenanschläge, Entführungen,
Arbeitslosigkeit und Armut an der Tagesordnung.
Das Gesundheitswesen ist in Folge der Bombardierungen
sowie der anschliessenden Plünderungen teilweise
zusammengebrochen. Etwa die Hälfte der irakischen
Ärzte hat wegen ausbleibender Bezahlung oder
der enormen Unsicherheit das Land verlassen, die
Kindersterblichkeit ist enorm angestiegen.
Ungewisse
Klarheit
Auch
wenn die Zukunft des Iraks heute ungewiss ist,
so scheint klar, dass die imperialistische Besatzungsmacht
unter Vorherrschaft der USA nicht bereit sein
wird, auf ihren Einfluss in einer geostrategisch
und wirtschaftlich so wichtigen Region zu verzichten.
Der Ausverkauf der Überreste des irakischen
Staats- und Gemeinwesens an private Firmen sowie
die Ausbeutung der riesigen irakischen Ölvorkommen
werden auch in Zukunft fester Bestandteil der
US-amerikanischen „Irakpolitik“ bleiben.
Sei dies durch eine Fortsetzung der Besatzung
oder einer den Kapitalinteressen hörigen
irakischen Marionettenregierung.
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1
Vgl. „Mortality after the 2003 invasion
ofIraq“,
unter: www.thelancet.com/journals/
lancet/article/PIIS0140673604174412/abstract.
2 Vgl. „Violence-Related Mortality
in Iraq
from 2002 to 2006“, unter: http://content.nejm.org/cgi/content/full/358/5/484.
3 Vgl. Guilliard, Johachim: 'Verschleiern
von Verbrechen’, erschienen in der
Zeitung 'Junge Welt’. Einsehbar unter:
http://www.jungewelt.de/2008/02-12/003.php?sstr=irak%7Copfer.
4 Vgl. „Update on Iraqi Casualty Data“,
unter:
http://www.opinion.co.uk/!ewsroom_details.aspx?!ewsId=88. |
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