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Durch
den Ilisu-Staudamm wird die über 10000 Jahre
alte, am Tigris gelegene Stadt Hasankeyf durch
Überflutung zerstört. Die Stadt steht
unter Denkmalschutz und wird zum Weltkulturerbe
gezählt. In einer Pressemitteilung vom 27.3.2007
der Initiative zur Rettung von Hasankeyf, in der
72 Organisationen aus den betroffenen Gebieten
zusammenarbeiten, wurde die Bewilligung der Hermes-
Bürg-schaften eindeutig verurteilt und u.a.
der BRD vorgeworfen sich an der "Vernichtung
einzigartiger Dokumente der Geschichte und Kultur"
in Kurdistan zu beteiligen und sich darüber
hinaus an einem "gewaltigen ökologischen
Desaster und der Vertreibung von mehr als 55000
Menschen" mitverantwortlich zu machen.
Das
Ilisu-Staudammprojekt am Tigris ist nicht neu,
sondern Teil des GAP- Projekts, das bereits 1984
von der türkischen Regierung in Angriff genommen
wurde. Die Flüsse Euphrat und Tigris sollen
an insgesamt 22 Dämmen aufgestaut und 19
Kraftwerke an den beiden Flüssen zur Stromerzeugung
gebaut werden. Die meisten Staudämme sind
bereits errichtet und waren mit der Zwangsumsiedelung
hunderttausender Menschen verbunden. Die versprochenen
staatlichen Entschädigungen blieben aus oder
waren völlig unzureichend. Ein Großteil
der Vertriebenen lebt zwischenzeitlich in den
Armutsvierteln von Batman und Diyarbakir.
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Die
antike Stadt Hasankeyf soll durch den Bau
des
Ilisu-Staudamms überflutet werden. |
Von
der betroffenen Bevölkerung wird das GAP-Projekt
mehrheitlich als Ausdruck des türkischen
Imperialismus in Kurdistan gewertet. Auf Kosten
von Natur und Menschen in der Region werden gegen
deren Willen mit Zwangsmitteln Grossprojekte durchgesetzt,
die den Grossmachtinteressen der türkischen
Militärs dienen und an denen lediglich türkische
und ausländische Firmen verdienen. Von einem
nachhaltigen wirtschaftlichen Aufschwung in den
kurdischen Gebieten infolge der Staudammprojekte,
wie von der türkischen Regierung immer wieder
behauptet, kann jedenfalls keine Rede sein. Auch
der Bau der Staudämme selbst änderte
wenig an der hohen Arbeitslosigkeit und der Armutssituation
in der Region. Neuer Anlauf Mit dem Bau des Ilisu-Staudamms
als "Herzstück" des GAP-Projekts
sollte bereits 2001/2002 begonnen werden. Damals
scheiterte das Projekt jedoch an einer breiten
internationalen Protestkampagne. Der öffentliche
Druck vor allem wegen Umwelt- und Menschenrechtsbedenken
führte zunächst zum Umdenken hinsichtlich
der Kreditversicherungen. Die beteiligten ausländischen
Firmen, die mit zusätzlichen Boykottaufrufen
rechnen mussten, hatten ausserdem Angst vor Umsatzrückgängen
durch Imageverlust.
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Staatlich
garantierte Profite
Ohne politische Unterstützung aus Bern,
Berlin und Wien wird der Staudamm nicht
gebaut, denn die privaten Firmen nehmen
die „Geschäftsrisiken“
in einer politisch derart unsicheren Region
nur auf sich, wenn diese durch Exportrisikogarantien
oder andere staatliche Bürgschaften
abgesichert werden. |
Die
Türkei hielt gleichwohl an ihren Bauplänen
fest . Nachdem sich die internationale Aufmerksamkeit
etwas gelegt hatte, begann die türkische
Regierung für das IlisuStaudammprojekt neue
Vertragspartner zu suchen und mit einer gezielten
Werbekampagne den Staudammbau erneut als Wirtschaftsförderung
für die verarmten Gebiete Südostanatoliens
zu verkaufen. Ausserdem wird immer wieder betont,
man werde alle international geforderten Standards
für entsprechende Grossprojekte einhalten.
Aktuell
beteiligen sich vier türkische Unternehmen
(u.a. federführend Nurol), vier Unternehmen
aus der Schweiz (Alstom, Stucky, Colencio und
Maggia), die Firma VA Tech aus Österreich
und das Bauunternehmen Ed.Züblin AG aus der
BRD. Die Schweiz, Österreich und die BRD
haben zwischenzeitlich durch die Zusicherung von
Kreditbürgschaften einen entscheidenden Schritt
zur Realisierung des Ilisu-Staudammprojekts gemacht.
Um die Profitinteressen deutscher Firmen abzusichern
wurden ganz offensichtlich selbst verbindlich
zu beachtende internationale Standards und EU-
Richtlinien missachtet.
Auswirkungen
auf die Bevölkerung
Für
die Bevölkerung der betroffenen Region hat
das Staudammprojekt nach wie vor nichts mit Modernisierung
und Lebensverbesserung zu tun. 80% der Bevölkerung
der betroffenen Region sind gegen das Projekt.
Das eigene Land wird unwiederbringlich zerstört,
das gesamte Ökosystem mit unabesehbaren Auswirkungen
für die von der Landwirtschaft abhängige
Bevölkerung verändert. Die Bevölkerung
ist aber zu keinem Zeitpunkt entsprechend den
internationalen Beteiligungsrichtlinien in die
Projektplanungen einbezogen worden. Einbezogen
wurden dagegen die örtlichen Militärgouverneure,
die Statthalter der türkischen Regierung
in der Region.
Die
betroffene Bevölkerung kritisiert das Ilisu-Staudammprojekt
auch als Fortsetzung der Dorfzerstörungen
und ethnischen Säuberungen durch das Militär
in den 90er Jahren. Die Region gilt nach wie vor
als eine der Hochburgen der kurdischen Befreiungsbewegung
und steht mit im Zentrum der insbesondere seit
Beginn 2006 wieder verstärkt aufgebrochenen
militärischen Auseinandersetzungen. Durch
das Staudammprojekt wird es nicht nur zu neuen
Massenvertreibungen kommen, es werden gleichzeitig
die Rückkehr der vormals Vertriebenen und
der Wiederaufbau der vom Militär zerstörten
Dörfer verhindert. Die türkische Regierung
nutzt das Staudammprojekt ausserdem als Vorwand
zur weiteren Militarisierung der Region. Allein
zur Sicherung der Bauarbeiten sollen zusätzlich
5000 Soldaten in die Region verlegt werden.
Der
Bau des Ilisu-Staudamms wird zur Stromversorgung
der Türkei nicht benötigt. Die bereits
in Betrieb genommenen Wasserkraftwerke wurden
bisher noch nicht annähernd ausgelastet.
Allein durch die Modernisierung des völlig
maroden Stromnetzes der Türkei könnte
darüber hinaus die Gesamtleistung der mit
dem Kraftwerk am Ilisu- Staudamm geplanten Stromleistung
eingespart werden. Der Staudamm hat in erster
Linie strategische und militärische Bedeutung.
Durch ihn können die Nachbarstaaten Syrien
und Irak mit dem Druckmittel des Wasserentzuges
erpressbar gemacht werden. Das Staudammprojekt
trägt so unmittelbar zur weiteren Destabilisierung
bei und erhöht die Kriegsgefahr. Die kurdische
Bevölkerung im Südosten der Türkei,
wie auch in Syrien und dem Irak wird somit zusätzlich
zum Dauerkonflikt mit der türkischen Armee
zum Spielball der Machtinteressen der Türkei
im Nahen Osten.
Widerstand!
Mit
der Bewilligung der Hermes-Bürgschaften nimmt
die Bundesregierung die negativen Folgen des Grossprojekts
billigend in Kauf. Die türkische Regierung
hatte damit gedroht, bei weiterem Hinauszögern
der Hermes-Bewilligungen die europäischen
Bauträger gegebenenfalls durch chinesische
Unternehmen zu ersetzen. Die Firma Züblin
agierte in der Auseinandersetzung mit dem üblichen
Druckmittel der Gefährdung von Arbeitsplätzen.
Gezielt wurden so erneut die Interessen der Beschäftigten
am Erhalt ihres Arbeitsplatzes gegen die Interessen
der Menschen in der betroffenen Region ausgespielt.
Weder
von Seiten der Gewerkschaft noch der Betriebsräte
wurde die Problematik thematisiert. Völlig
aussen vor blieb darüber hinaus die Tatsache,
dass durch die vergebene Hermes-Bürgschaft
nichts anderes geschieht als eine individuelle
Profitabsicherung auf Kosten der Allgemeinheit.
Konkret bedeutet dies eine Exportgarantie von
93,5 Millionen Euro für den Bau von drei
Tunneln und Stollen, sowie eine Rückversicherung
von rund 100 Millionen Euro für Zulieferungen
an den österreichischen Baupartner.
Kein
Geld für den Ilisu-Staudamm!
Der
Widerstand in der betroffenen Region gegen das
Staudamm-Projekt wächst. Am 23.3.2007 fand
in Hasankeyf eine internationale Protestaktion
statt. In einem Aufruf wurde erneut zur internationalen
Solidarität mit dem örtlichen Widerstand
aufgefordert, um das Staudammprojekt doch noch
zu stoppen. Das Staudammprojekt abzulehnen ist
für die Bevölkerung vor Ort mit massiver
Repressionsandrohung verbundenen. So hat z.B.
der Gouverneur der Provinz Mardin alle Staudammkritiker
zu "Helfern von Terroristen" erklärt.
"Unser Widerstand wird auf jeden Fall weitergehen.
Die deutsche Regierung wird laufend mit diesem
verantwotungslosen Beschluss (Bewilligung der
Hermes- Bürgschaft) konfrontiert werden",
so der Sprecher der "Initiative zur Rettung
von Hasankeyf", Ercan Ayboga. "Wir wollen
eine Entwicklung in unserer Region ohne kulturelle
und ökologische Zerstörungen, eine Entwicklung,
die den Menschen dient und sie nicht vertreibt.
Wir wollen selbst über unsere Zukunft bestimmen!“
Der
Protest muss dringend ausgeweitet und in der BRD
und der Schweiz auf die Rücknahme des Bewilligungsbeschlusses
zur Hermes-Bürgschaft zugespitzt werden.
Die Politik der Bundesregierung am Beispiel des
Ilisu- Staudamms macht ganz praktisch deutlich,
was es bedeutet, wenn wir in der Mobilisierung
gegen den G8-Gipfel anprangern, dass die selbsternannten
Herrscher der Welt wieder die nächsten Kriege
planen, ihre Beschlüsse die nächsten
Umweltkatastrophen und die zunehmende soziale
Verelendung für viele Menschen weltweit bedeuten.
Weitere
Informationen und Unterlagen
zum Ilisu-Staudamm-Projekt
Mehrere Nichtregierungsorganisationen
(NGO) kritisieren das Staudammprojekt
und stellen informative Unterlagen bereit.
In der Schweiz ist die Erklärung
von Bern federführend
in
Deutschland hat WEED
eine 60seitige Publikation erarbeitet.
Selbstverständlich betreibt auch
das Unternehmenskonsortium eine Webseite,
auf der wir lesen können, es gehe
nur um wirtschaftliche Entwicklung und
um das Wohl der Bevölkerung
www.ilisu-wasserkraftwerk.com
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