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Gilbert Achcar hat den Libanon 1983 verlassen,
als Israel den ersten grossen Krieg in seinem
Land führte. Beinahe 30 Jahre später
betont der Professor an der School of Oriental
and African Studies in London, dass dieser
brutale Krieg von Israel gegen die Palästinenser
im Libanon zu einem Wandel in der Haltung der
arabischen Welt zur Schoah führte. Der damalige
israelische Ministerpräseident Menachem Begin1
verglich Jassir Arafat2 mit Hitler und
die Feinde Israels mit den Nazis. Das habe die
Schoah banalisiert und viele Menschen in der arabischen
Welt dazu gebracht, Israel mit den Nazis zu vergleichen
oder sogar zu behaupten, Israel habe die Schoah
erfunden, um seine Politik im Nahen Osten zu rechtfertigen.

Gilbert
Achcar beginnt sein Buch mit einem Zitat aus dem
Matthäus- Evangelium: «Was siehst du
den Splitter im Auge deines Bruders, den Balken
in deinem Auge aber nimmst du nicht wahr?»
In diesem Interview mit Yedioth Ahronoth,
dem ersten, das er jemals einer israelischen Zeitung
gegeben hat, erklärt er: «Die Lehre
aus dieser Parabel ist, wir sollten uns fragen,
was mit uns nicht stimmt, bevor wir andere kritisieren.
Die israelische Seite macht der arabischen Welt
im Zusammenhang mit der Schoah eine Reihe von
Vorwürfen ohne jegliche Selbstkritik. Doch
die Parabel gilt natürlich auch für
die Araber. Ich verteidige niemanden unkritisch.
Ich denke, es ist wünschenswert, einen kritischen
Blick auf seine eigene Gruppe zu werfen, bevor
man die anderen kritisiert.»
Können
Sie das genauer sagen?
Auf
der arabischen Seite habe ich keinerlei Sympathie
für das, was der Mufti von Jerusalem, Hajj
Amin al-Husseini3, während dem Zweiten
Weltkrieg getan hat. Ich denke zudem, die Leugnung
der Schoah in der arabischen Welt ist abwegig
und irreführend, sie schadet der Sache des
palästinensischen Volks. Aber was die israelische
Seite betrifft: Wie kann man die Leugnung der
Schoah in der arabischen Welt kritisieren, wenn
Israel seinerseits die palästinensische Nakba
leugnet?
Ich vergleiche keineswegs die Vertreibung der
Palästinenser von 1948 mit der Schoah. Die
Schoah war ein Völkermord, eine viel grössere
Tragödie als das Leiden der Palästinenser
seit 1948. Doch die Schoah wurde nicht durch die
Araber oder Palästinenser verursacht, wogegen
Israel für die Nakba verantwortlich ist.
Israelische Historiker haben es bewiesen. Dennoch
leugnet Israel weiterhin seine historische Verantwortung
für diese Tragödie. Die frühere
Aussenministerin Tzipi Livni hat beim UNOGeneralsekretär
gegen die Ver-wendung des Begriffs Nakba protestiert,
der auf Arabisch Katastrophe bedeutet. Das ist,
wie wenn man dagegen protestieren würde,
dass Israel den Begriff Schoah verwendet.
In
meinem Buch verurteile ich die palästinensischen
und arabischen Leugner der Schoah, die heute zahlreicher
sind als vor 30 oder 40 Jahren. Die Palästinenser
und Araber, die behaupten, die Zionisten hätten
die Schoah erfunden, um ihre Politik zu rechtfertigen,
reagieren auf die Verwendung der Schoah durch
Israel für seine eigenen Zwecke. Es ist eine
dumme Reaktion. Ich glaube, die Leugnung der Schoah
ist der Antizionismus der Dummköpfe. Aber
diese Personen leugnen ein historisches Ereignis,
bei dem ihr eigenes Volk keine Rolle gespielt
hat. Im Gegensatz wiegt die Leugnung der Nakba
durch Israel weitaus schwerer, weil Israel für
diese Katastrophe verantwortlich ist. Sie war
ein entscheidendes Moment bei der Gründung
des israelischen Staats. Andere Länder sind
unter ähnlichen Bedingungen entstanden, aber
es ist notwendig, die historische Realität
und Verantwortung zu anerkennen. Die heutige Unterdrückung
der Palästinenser verschärft die Situation.
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| Anlässlich
der Nakba, der «Katastrophe» der
Palästinenserinnen von 1948, haben die
Zionistinnen Hunderttausende einheimische
Palästinenserinnen zu Flüchtlingen
gemacht. |
In
Ihrem Buch sagen Sie ganz offen, dass es zwar
keinen Vergleich zwischen der Schoah und der Nakba
gibt, aber einen Zusammenhang zwischen beiden
Ereignissen.
Der
Zusammenhang ist offensichtlich. Ohne die Schoah
und den Siegeszug der Nazis hätte das zionistische
Projekt nicht verwirklicht werden können.
Wenn man die Einwanderung nach Palästina
vor 1933 betrachtet und sieht, wie diese nach
dem Ausbruch der Aufstände von 19294
eingebrochen ist, wird klar, dass ohne dieses
schreckliche Phänomen des Nationalsozialismus
und entfesselten Antisemitismus in Europa die
massive Auswanderung nach Palästina, auf
deren Grundlage der israelische Staat geschaffen
wurde, nicht stattgefunden hätte. Hitlers
Machtergreifung und die Ereignisse während
dem Zweiten Weltkrieg haben der zionistischen
Idee eine bisher unbekannte Legitimität verliehen.
Vor dem Aufstieg der Nazis war der Zionismus in
der jüdischen Gemeinschaft in der Minderheit.
Hinzu kam die Unehrlichkeit der westlichen Welt,
welche die jüdischen Flüchtlinge nicht
aufnehmen wollte.
Gewisse
israelische Professoren behaupten, die Palästinenser
seien für die Schoah mit verantwortlich,
weil sie sich wehrten und von den britischen Kolonial-herren
eine Begrenzung der jüdischen Einwanderung
nach Palästina verlangten. Sie hätten
damit Hunderttausende Juden an der Einwanderung
gehindert und der Vernichtung durch die Nazis
ausgeliefert. Doch dieses Argument steht auf wackligen
Beinen. Mit welchem Recht kann man den Palästinensern
vorwerfen, sich dagegen zu wehren, dass auf ihrem
Land ein fremder Staat entstehen soll, und dabei
vergessen, dass die britische Regierung die Begrenzung
der jüdischen Einwanderung in Palästina
hätte verbinden können mit der Aufnahme
jüdischer Flüchtlinge im eigenen Land
oder in Gebieten des riesigen englischen Kolonialreichs?
Denselben
Vorwurf könnte man an die USA und die anderen
Länder aus der ganzen Welt richten, die 1938
auf Einladung von Präsident Roosevelt an
der Konferenz von Evian5 teilgenommen haben und
sich weigerten, jüdische Flüchtlinge
aufzunehmen. Sie sind für die Schoah mit
verantwortlich, nicht die Palästinenser.
Die Schoah hat die Bedingungen geschaffen, um
das zionistische Projekt zu verwirklichen. Das
konnte nicht ohne Gewalt geschehen. Die gewalttätige
Umsetzung des zionistischen Vorhabens hat zur
Nakba geführt.
Beruhte
die Zusammenarbeit gewisser arabischer Parteien
mit den Nazis auf gemeinsamer Ideologie, oder
war es politische Taktik auf der Basis der Idee,
dass der Feind meines Feindes mein Freund ist?
Bei
Mufti al-Husseini war es offensichtlich eine Mischung
aus politischem Opportunismus und ideologischer
Wahlverwandtschaft mit dem Antisemitismus. Der
Mufti teilte nicht das politische, soziale und
wirtschaftliche Weltbild der Nazis. Aber der Hass
auf die Juden und die Briten war ein gemeinsamer
Nenner zwischen ihm und den Nazis. Er war nicht
wirklich ein Nazi, aber er arbeitete mit ihnen
zusammen. Sein Judenhass traf sich mit dem Antisemitismus
der Nazis.
Wie
erklären Sie sich den warmen Empfang des
Muftis in der arabischen Welt nach dem Zweiten
Weltkrieg?
Es
ist ein Mythos, dass der Mufti in der arabischen
Welt begeistert gefeiert wurde. Die Palästinenser
haben ihn als einen ihrer Anführer betrachtet,
der von seinen Feinden - den Briten und der zionistischen
Bewegung - verfolgt wurde. Doch sein tatsächlicher
Einfluss in der arabischen Welt war sehr begrenzt,
selbst während des Kriegs. Der Mufti weilte
in Berlin und Rom und forderte die Palästinenser
und Araber dazu auf, sich der deutsch-italienischen
Achse und natürlich dem Kampf gegen den Zionismus
anzuschliessen. Man schätzt, dass nur 6'000
Araber in verschiedene bewaffnete Einheiten von
Nazideutschland eingetreten sind.
Doch
in derselben Zeit haben 9'000 arabische Palästinenser
auf der Seite Grossbritanniens gekämpft.
Eine noch höhere Zahl von Arabern hat in
den Alliierten Streitkräften gekämpft,
darunter eine Viertelmillion Nordafrikaner in
den Truppen von General de Gaulle. Der tatsächliche
Einfluss des Muftis war also bescheiden. Heute
hält man in der arabischen Welt nicht viel
von ihm. Er steht als Symbol für die Niederlagen,
die eintraten, bevor er nach Europa ging: das
Scheitern des Aufstands in Palästina und
der Revolution gegen die Briten im Irak.6
Warum wird dem Mufti in Israel dennoch
so viel Aufmerksamkeit gewidmet?
Israel
und die zionistische Bewegung hatten zunächst
keine Antwort auf das Argument der Palästinenser,
die Schoah sei zwar schrecklich gewesen, aber
sie seien nicht verantwortlich dafür und
es gebe deshalb keinen Grund, dass sie für
die Taten der Europäer zahlen müssten.
Dann haben die Zionisten den Mufti als Beweis
dafür präsentiert, dass die Palästinenser
für die Schoah mit verantwortlich seien.
So ist die Erzählung entstanden, die Araber
seien die Komplizen der Nazis gewesen, und der
Krieg von 1948 die letzte Schlacht des Zweiten
Weltkriegs gegen die Nazis. Aber diese Erzählung
hält den Fakten nicht stand. Es ist reine
Propaganda.
Aber
nicht nur der Mufti hat mit den Nazis zusammengearbeitet.
Viele Nazi-Verbrecher wurden als Flüchtlinge
in arabischen Ländern aufgenommen. Mehrere
arabische Parteien wie die Baath-Partei sind von
der Nazi-Ideologie inspiriert.
Es
gibt keine Beweise dafür, dass die Baath-
Partei7 von Beginn an von den Nazis beeinflusst
war. Auch der Versuch, den Parteigründer
Michel Aflaq als Nazi darzustellen, beruht auf
Propaganda. Das einzige scheinbare Beweisstück
gegen ihn ist, dass er eine Kopie der französischen
Übersetzung eines Buchs von Alfred Rosenberg8
hatte. Das ist, wie wenn man behaupten würde,
alle, die ein Exemplar von Hitlers Mein Kampf
zu Hause haben, seien Nazis. Doch wer ein Buch
liest ist nicht unbedingt mit dem Inhalt einverstanden.
Die irakische Baath-Partei von Saddam Hussein
hat zwar antisemitische Argumente eingesetzt,
aber ohne sich auf die Nazis zu beziehen.
Tatsächlich
haben einige ehemalige Nazis in der arabischen
Welt, in Ägypten oder Syrien, Zuflucht gefunden.
Doch abgesehen von Alois Brunner,9 der
nach Syrien flüchtete, findet sich unter
ihnen kein wichtiger Nazi-Anführer der Vernichtungsmaschinerie.
Aber warum wird der Vorwurf überhaupt an
die Araber gerichtet, obwohl doch mit Israel befreundete
Länder, allen voran die USA, Nazis aufgenommen
und bei der Auswanderung von weitaus wichtigeren
Verbrechern geholfen haben?
Schliesslich
hat Israel selbst viel Geld von der Bundesrepublik
Deutschland erhalten, von einem Staat, in dem
es von Nazis wimmelte und sogar einige Nazis an
der Regierung beteiligt waren. Der engste Berater
von Bundeskanzler Adenauer,10 der als
Freund und Financier von Israel gilt, hatte die
Rassengesetze von Nürnberg geschrieben. Wenn
man die Araber im Nachhinein als Nazis darstellen
will, könnte man genau so gut ganz Lateinamerika,
die USA und die BRD als Nazi-Länder darstellen.
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Gilbert Achcar ist Autor des Buchs Les Arabes
et la Schoah, Actes Sud Sindbad, 2009. Geboren
in Senegal, ist er im Libanon aufgewachsen,
1983 nach Frankreich ausgewandert. Wir publizieren
eine leicht gekürzte Fassung des Interviews
in der israelischen Tageszeitung Yedioth Ahronoth
vom 27. April 2010. Übersetzung und Fussnoten
durch die Redaktion. |
Hat
die fehlende Diskussion in der arabischen Welt
über die Kollaboration mit den Nazis eine
Aus-wirkung auf die Leugnung der Shoah in verschiedenen
Teilen der arabischen und muslimischen Gesellschaften?
Die
verschärften Spannungen zwischen Israel und
den Arabern und Palästinensern haben in den
letzten Jahren zu einer Radikalisierung der Positionen
auf beiden Seiten geführt. Doch selbst die
Hamas hat ihre Brigaden nie nach dem Mufti al-Husseini
benannt. Es gibt auch keine Raketen oder Strassen,
die seinen Namen tragen. Niemand interessiert
sich für ihn. Der Held der Hamas ist Izz
ad-Din al-Qassam.11
Die
Leugnung der Schoah in der heutigen arabischen
Welt beruht in erster Linie auf Unwissen. Im Gegensatz
dazu handelt es sich im Westen um ein pathologisches
Phänomen. In den westlichen Ländern
handelt es sich um geistig gestörte, grundsätzlich
antisemitische Personen. In der arabischen Welt
ist die Leugnung der Schoah in gewissen, heute
noch minderheitlichen Strömungen der öffentlichen
Meinung das Ergebnis des Zorns und Frusts, den
die israelische Gewalteskalation ausgelöst
hat, die ihrerseits wiederum vermehrt mit einer
Instrument-alisierung der Schoah einhergeht. Das
begann mit der Invasion des Libanons im Jahr 1982.
Menachem Begin hat die Erinnerung an die Schoah
missbraucht, gerade auch innenpolitisch. Das hat
die Leute in der arabischen Welt dazu geführt,
auf die dümmste mögliche Weise zu antworten
und zu sagen: Wenn Israel seine Politik durch
den Bezug auf die Schoah rechtfertigt, muss es
sich um eine Übertreibung oder Erfindung
der Propaganda handeln. Je mehr die Gewalt zunimmt,
desto mehr sind solche Reaktionen vorzufinden,
denn es handelt sich um eine symbolische Herausforderung,
nicht um etwas, das tiefer geht.
Sie
behaupten auch, dass die Araber, die Israel mit
den Nazis vergleichen, auf den israelischen Vergleich
zwischen den arabischen Anführern und Hitler
reagieren.
Die Neigung, überall Nazis zu sehen, führt
zu deren Banalisierung. Hitler ist eine derart
negative historische Figur, dass es absurd ist,
Mahmud Ahmedinejad mit ihm zu vergleichen. Man
kann vom iranischen Präsidenten halten, was
man will, aber in seinem Land gibt es keine Konzentrationslager,
und er führt keinen Völkermord durch.
Der Iran ist eine von politischen Konflikten durchzogene
Gesellschaft, keine totalitäre Gesellschaft
wie Nazideutschland. Die Israeli sehen Hitler
überall: Nasser,12 Saddam Hussein,
Arafat, Nasrallah. Wen wundert es, dass die Araber
es ihnen nachmachen? Das sind natürlich politische
Übertreibungen, die nichts bringen.
Wie
lassen sich die vielen Hindernisse aus dem Weg
räumen, wenn auf der arabischen Seite die
israelische Empfindlichkeit betreffend die Schoah
nicht respektiert wird?
Diese
Empfindlichkeit wird auf arabischer Seite verstanden.
Man sollte die Araber nicht als einen einheitlichen
Block betrachten. Natürlich gibt es Strömungen,
die keine Sensibilität dafür aufweisen,
aber das ist nicht die Mehrheitsmeinung. Nehmen
wir zum Beispiel Arafat, der total verteufelt
wurde. Immerhin hat die PLO in den 1970er Jahren
einen ernsthaften Versuch begonnen, um dieses
Problem zu verstehen. Als der französische
Leugner der Schoah, Roger Garaudy,13
in der arabischen Welt mit allen Ehren empfangen
wurde, hat Arafat verstanden, wie sehr dies der
palästinensischen Sache schaden würde.
Er wollte deshalb das Holocaust-Museum in Washington
besuchen. Als die Museumsverwaltung ihm keinen
seiner Funktion entsprechenden Empfang bereiten
wollte, fühlte er sich beleidigt und sagte
ab. Er hat aber das Anne-Frank- Haus in Amsterdam
besucht. Doch ausser in Israel hat die Presse
kaum darüber berichtet. Personen wie Edward
Said14 oder Mahmud Darwish15
verstehen die israelische Sensibilität gegenüber
der Schoah sehr gut. Ich verspreche Ihnen, wenn
Israel sich gegenüber der arabischen Welt
und den Palästinensern anders, ja friedlich
verhalten würde, dürften diese in den
letzten Jahren zunehmend aufgetretenen Phänomene
sehr rasch wieder verschwinden.
1
Menachem Begin (1913-1992), israelischer Ministerpräsident
1977-1983 und Friedensnobelpreisträger 1978.
2 Jassir Arafat (1929-2004), historischer Anführer
der
palästinensischen Befreiungsorganisation
(PLO) und
Friedensnobelpreisträger 1994.
3 Hajj Amin al-Husseini (1893-1974), islamischer
Geistlicher und palästinensischer Nationalist,
Grossmufti
von Jerusalem. Arbeitete mit dem Nazi-Regime
zusammen und hielt sich während dem Zweiten
Weltkrieg mehrere Jahre als Hitlers Gast in Deutschland
auf. Nach dem Krieg Asyl in Ägypten.
4 Im August 1929 spielten sich in Jerusalem aufstandsähnliche
Zustände ab und es ereigneten sich gewalttätige
Auseinandersetzungen
zwischen Palästinensern und Juden, die durch
den Kampf um den
Zugang zu den heiligen Stätten ausgelöst
wurden. In nur einer Woche
verloren in Palästina 133 Juden und 116 Palästinenser
ihr Leben.
5 Die Konferenz in Evians-les-Bains am französischen
Ufer des Genfersees fand am 6. bis 13. Juli 1938
statt
und beschäftigte sich mit dem Problem der
jüdischen
Flüchtlinge. Die Regierungsvertreter aus
31 westlichen
Ländern (darunter die Schweiz) konnten sich
nicht einmal
zu einer gemeinsamen, offiziellen Verurteilung
der Behandlung
der Juden durch das deutsche Nazi-Regime durchringen.
6 In den Jahren 1940-41 spitzte sich die Auflehnung
eines Teils der irakischen Eliten gegen den britischen
Einfluss bis zu militärischen Auseinandersetzungen
zu. Der Anführer der Revolte, Raschid Ali
al-Gailani,
arbeitete mit dem Mufti von Jerusalem ebenso zusammen
wie mit Vertretern des Nazi-Regimes.
7 Die Baath-Partei existiert in einer Reihe von
arabischen
Ländern; als eigentliche Staatspartei im
Irak (bis zur
amerikanischen Invasion von 2003) und in Syrien.
Gegründet
wurde die Partei 1940 in Damaskus.
8 Alfred E. Rosenberg (1893-1946),
führender Rassentheoretiker des
Nationalsozialismus und Kriegsverbrecher,
wurde im Nürnberger Hauptprozess gegen
die Nazis zum Tode verurteilt.
9 Alois Brunner (geb. 1912) war einer
der wichtigsten Mitarbeiter Adolf Eichmanns
bei der Realisierung der so genannten »Endlösung
der Judenfrage»; verantwortlich für
die Deportation
von über 100'000 Juden.
10 Gemeint ist Hans Josef Maria Globke (1898-1973),
Jurist und Ministerialrat im Nazi-Regime. Er wurde
unter
Konrad Adenauer 1953 zum Staatssekretär im
Bundeskanzleramt
ernannt und erhielt 1963 das Grosskreuz des Verdienstordens
der
Bundesrepublik Deutschland. Die Schweiz, wo er
sich nach der Pensionierung
niederlassen wollte, verweigerte ihm die Einreise.
11 Izz ad-Din al-Qassam (1882-1935), islamischer
Geistlicher unter
dem britischem Kolonialmandat in Palästina,
gründete 1930 die militante
Untergrundorganisation «Schwarze Hand»
und starb 1935 in einem
Feuergefecht mit der britischen Polizei.
12 Gamal Abdel Nasser (1918-1970), führender
Vertreter
des Panarabismus, ägyptischer Staatspräsident
1954-70.
13 Roger Garaudy (geb. 1913), ehem. Mitglied des
Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Frankreichs
(1970 aus der KPF ausgeschlossen), konvertierte
1982 zum Islam und gilt heute als Holocaust-Leugner.
14 Edward W. Saïd (1935-2003), renommierter
Literaturwissenschaftler palästinensischer
Herkunft
an der Columbia University, galt als einer der
wichtigsten
Fürsprecher für die Rechte seines Volks
in den USA.
15 Mahmud Darwish (1941-2008), palästinensischer
Dichter, dessen Werke in mehr als 20 Sprachen
vorliegen.
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