| Die
neuere, tragische Geschichte des Nahen Ostens
beginnt mit einem Kongress. Im August 1897 wurde
anlässlich des ersten Zionistischen Weltkongresses
in Basel die fatale Parole vom „Land ohne
Volk für ein Volk ohne Land“ gefasst.
Palästina sollte „Heimstätte“
für die besonders im russischen Zarenreich
immer wieder Verfolgungen ausgesetzten Juden werden.
Nachdem die britische Kolonialmacht 20 Jahre später
in der Folge des ersten Weltkrieges den osmanischen
Herrschern das Gebiet um Palästina entrissen
hatte, wurde den Zionisten mit der berühmten
Erklärung des britischen Aussenministers
Lord Arthur James Balfour an Baron Lionel Walter
Rothschild die so genannte „Heimstätte“
im eroberten Palästina versprochen.
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| Palästinensische
Familien auf der Flucht vor der israelischen
Besatzung |
Ein
imperiales Konzept
Im
Krieg gegen die Osmanen (Türken) hatten die
Briten gesonderte jüdische Kampfeinheiten
gebildet. Vladimir (Ze’ev) Jabotinsky, einer
der Offiziere, gründete bald nach dem Krieg
die Siedlermiliz „Haga-nah“ (Verteidigung).
Jabotinsky, Weggefährte David Ben Gurions,
des späteren Staatsgründers, stellte
öffentlich fest, dass die zionistische Kolonialisierung
nur gegen den Willen der Ansässigen und nur
mit Gewalt gelingen würde.
1920
besassen die von wohlhabenden Europäern reichlich
finanzierten Zionisten 3% des palästinensischen
Territoriums. 1929 wurde in Zürich die „Jewish
Agency for Palestine“ (später „for
Israel“), die Einwanderungsagentur der Zionisten,
gegründet. Eine neue bewaffnete Gruppe, die
„Irgun Beth“ (zweite Organisation),
verübte gezielte Terroranschläge gegen
arabische Märkte. Die britische Politik des
Teilens und Herrschens führt in den Jahren
1936- 39 zu Revolten der ansässigen Bevölkerung
gegen die Kolonialherren, gegen die zionistischen
Kollaborateure und gegen die Ausbreitung ihrer
Siedlungen. Palästina wird ab 1939 zu einer
Versorgungsbasis für die Kriegsführung
der Alliierten ausgebaut. 1940 beginnen Vertreibungen
der ansässigen Bevölkerung aus strategisch
wichtigen Gebieten und die Beschlagnahmung ihres
Bodens. Es folgt die Gründung der „Palmach“,
einer einheitlichen zionistischen Kampforganisation
der Siedler, die von den Briten mit Waffen versehen
wird.
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Palästinensisches
Flüchtlingscamp 1952,
5 Jahre nach der Ausrufung des israelischen
Staates und dem Beginn der Nakba 1948. |
Ein
Kolonisierungsprojekt
Da
die Briten zu Beginn des zweiten Weltkrieges auf
Grund von Absprachen mit ihren arabischen Vasallenstaaten
und Öllieferanten vorübergehend die
jüdische Einwanderung nach Palästina
zu bremsen suchten, trat erneut eine zionistische
Miliz auf den Plan, die „Lohamei Herut Israel“
(Freiheitskämpfer für Israel), kurz
LEHI oder, wegen ihres Führers Avraham Stern,
Stern-Bande genannt. Auch die lavierenden britischen
Schutzherren wurden vor deren Terroranschlägen
nicht verschont.
1947
besassen die Zionisten etwa 6% des Bodens und
besetzten nach der Vertreibung
der Besitzer eine ebenso grosse Fläche illegal.
Die damalige UNO beschloss einen Teilungsplan.
Dieser sah vor, den ansässigen 66% Palästinenser
43% des Bodens im hügeligen Karstgebiet des
Hinterlandes sowie Teile des fruchtbaren, nördlich
gelegenen Galiläa zuzusprechen; den inzwischen
34% zumeist eingewanderten Juden sollten 56% des
Bodens, der Meerzugang und die fruchtbarsten Landstriche
zugestanden werden. Jerusalem und seine Umgebung
sollte neutrales, international verwaltetes Territorium
werden. Aus leicht nachvollziehbaren Gründen
waren die ansässigen PalästinenserInnen
und die arabischen Staaten mit diesem Teilungsplan
nicht einverstanden. Die zionistischen Terrororganisationen
intensivierten daraufhin mit westlicher Unterstützung
einen blutigen Kleinkrieg gegen die ansässige
Bevölkerung.
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Gaza
- Eine Bevölkerung unter Arrest
2005 von den Siedlern geräumt, ist
der kleine Gaza-
Streifen von 360 km2 zu einem Gefängnis
für beinahe
1,5 Millionen Menschen geworden, die systematisch
ausgehungert werden. Gaza ist der am dichtesten
bevölkerte Fleck der Erde. Kein Volk
dieser Welt hat
mehr Flüchtlinge zu beklagen als die
Palästinenser.
Der gewaltsame Ausbruch von Hunderttausenden
in das ägyptische Rafah im Januar dieses
Jahres zeigt die verzweifelte Lage der Leute
im Gaza-Streifen.
Westjordanland - Von Siedlungen
durchlöchert
Die illegalen Siedlungen im Westjordanland
werden -
entgegen allen Abmachungen - anlässlich
sogenannter
„Friedensverhandlungen“ massiv
ausgebaut und sollen
bei Jerusalem sogar mit einer Strassenbahn
erschlossen werden. |
Die
Nakba
Am
14. Mai 1948 zogen sich die Briten von ihrem Mandat
zurück und überliessen die Gegend den
zionistischen Einwanderern und den Regimes der
Nachbarländer, Jordanien (West-jordanland)
und Ägypten (Gaza). Am 15. Mai folgte die
Ausrufung des israelischen Staates. Die gewaltsame
Vertreibung von über 800'000 Menschen aus
ihrer Heimat wurde planmässig umgesetzt,
das Territorium Israels massiv erweitert. Das
halbherzige Eingreifen der unterbewaffneten arabischen
Nachbarländer, die erst zwei Jahre zuvor
aus der Kolonialherrschaft entlassen worden waren,
konnte diese Eroberungen nicht verhindern. Im
Gegenteil, Israel vergrösserte sein Territorium
zusätzlich. Die Ereignisse von 1948 sind
den Menschen in Palästina als „Nakba“
(Katastrophe) in Erinnerung.
Landnahme
Schritt für Schritt
Mit
der Resolution 194 von 1948 bestätigt die
UNO das Recht zur Rückkehr der palästinensischen
Flüchtlinge in ihre Häuser. Mit der
Resolution 273 von 1949 wird Israel in die UNO
aufgenommen und dabei verpflichtet, die vorhergehenden
UNO-Resolutionen zu respektieren. Kein UNO-Beschluss,
der Israel etwas abverlangt hätte, wurde
je umgesetzt.
Erst
nach der Staatsgründung und drei Jahre nach
Ende des zweiten Weltkrieges begannen die wirklich
grossen Einwanderungswellen von Juden nach Israel.
Zwischen 1948 und 1951 schleuste die Jewish Agency
rund 700'000 neue Bewohner ins Land. 1967 kommt
die mit Milliarden deutscher Wiedergutmachungsgeldern
hochgerüstete israelische Armee einem angeblich
bevorstehenden Angriff der Arabischen Nachbarstaaten
zuvor und besetzt Gaza, das Westjordanland und
die Golan-Höhen. Erneut müssen über
130’000 PalästinenserInnen flüchten.
Nach
dem Einmarsch der israelischen Truppen in Jerusalem
wird im Handstreich das palästinensische
Quartier am Fusse der „Klagemauer“
zerstört und planiert. Mit der Resolution
242 vom 22.11.1967 fordert die UNO Israel auf,
die mit militärischer Macht eroberten Gebiete
zu verlassen. Nichts geschieht.
Der
Versuch der unterlegenen arabischen Länder,
1973 das Rad militärisch wieder zurückzudrehen
und die besetzten Gebiete zurückzuerobern,
scheiterte kläglich. Seit 60 Jahren nun herrscht
für die arabischen Menschen in Palästina
das Regime der israelischen Besatzung. Seither
wird kontinuierlich und systematisch Land konfisziert
und von einwandernden Siedlern in Besitz genommen.
Es werden Häuser und Plantagen zerstört,
Wasserquellen beschlagnahmt, Hunderttausende hinter
Mauern und Stacheldraht eingesperrt. Terrorisierung
von Städten und Dörfern, Misshandlungen,
Geiselnahmen und extralegale Ermordungen von Verdächtigen
sind palästinensischer Alltag.
Die
UNO 1947
1947 bestand die UNO aus 59 Mitgliedern,
den Siegermächten des zweiten Weltkrieges,
einigen mehrheitlich von diesen abhängigen
Nationen
sowie China. Heute sind 191 Nationen UNO-Mitglied.
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Kolonisierungsideologie
Zionismus
Die
mythenbehaftete zionistische Eroberungs- und Kolonisierungsideologie
ist ohne die Jahrhunderte lange Verfolgung und
Drangsalierung jüdischer Gemeinschaften nicht
denkbar. Der Naziterror gegen Jüd- Innen
hat zweifellos Zigtausende dazu gebracht, sich
dieser Ideologie anzuschliessen. Zionismus ist
aber auch ein Resultat des Scheiterns eines wirklich
sozialistischen Projekts, wie es sich zahlreiche
Revolutionäre jüdischer Abstammung in
Russland und anderswo vor der Machtergreifung
Stalins erhofft hatten.
Bei
aller Berechtigung, die Gräueltaten der Nazis
und frühere oft gewalttätige Ausschreitungen
gegen JüdInnen in Erinnerung zu halten, wird
die „Antisemitismusfrage“ derzeit
massiv für die prozionistische Propaganda
missbraucht. Israel benutzt sie skrupellos zur
Rechtfertigung seiner Politik der ethnischen Säuberungen
und des militärischen Terrors. Tragisch ist,
dass sich die Zionisten freimütig den imperialistischen
Mächten, allen voran den USA, als Erfüllungsgehilfen
bei der Wahrung ihrer Interessen zur Verfügung
stellen und dabei die Instrumentalisierung ihres
eigenen Volkes anbieten. Es ist offensichtlich,
dass der Zionismus nicht nur die Bevölkerung
Palästinas ins Elend stürzte. Bei näherer
Betrachtung zeigt sich, dass auch den Menschen
des jüdischen Kulturkreises keinen Dienst
erwiesen wurde. Die zionistische Parole vom Land
ohne Volk hat sich – wenn man sich die seit
60 Jahren andauernden permanenten bewaffneten
Auseinander-setzungen vor Augen hält –
als manipulatorisch und trügerisch erwiesen.
Das beste Mittel gegen Zionismus ist demnach der
rigorose Kampf gegen jeden Rassismus und in diesem
Rahmen gegen jede Judenfeindschaft.
Welcher
Friede?
Sollte
dieses traurige Kapitel vom gegenseitigen Morden
jemals ein Ende finden, wird in Palästina
ein säkulares Gemeinwesen bestehen, in dem
JüdInnen, PalästinenserInnen und Menschen
aller anderen Kulturen gleichberechtigt miteinander
leben. Es muss eine Lösung für alle
sein, für JüdInnen und Palästinenser-
Innen. Die semitischen Völker beider Religionen
haben Jahrhunderte lang friedlich zusammengelebt,
weitaus friedlicher als dies mit den Christen
möglich war und es ist ausschliesslich eine
Frage des politischen Willens, diese Situation
wieder entstehen zu lassen. Entscheidend ist,
dass sie sich aus den Fesseln ihrer Abhängigkeit
von geostrategischen Interessen der Imperialisten
lösen. Die bittere Alternative: Ein eingemauerter
palästinensischer Fleckenteppich von Bantustans
und ein Palästinenserpräsident als oberster
Chef einer Gruppe von Gefängniswächtern
von Israels Gnaden. Daneben ein Israel, welches
auf ewige Zeiten einen Dauerkonflikt mit der arabischen
Seite führen muss.
| Buchtipps
J. Rose, Mythen des Zionismus, Zürich,
Rotpunktverlag 2006.
N. Chomsky, Keine Chance für Frieden,
Hamburg, Europa-Verlag, 2005.
I. Pappe, Die ethnische Säuberung
Palästinas, Frankfurt, Zweitausendundeins,
2007.
N. G. Finkelstein, Antisemitismus als
politische Waffe, München, Piper, 2006. |
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