| In
Ankara und in Istanbul fanden am 14. und 29. April
Massen- kundgebungen statt, scheinbar um den türkischen
„Laizismus“ gegen die Gefahr eines
„islamistischen“ Staatspräsidenten
zu verteidigen. Hinter den nationalistischen
Kundgebungen steht die Armeeführung. „Die
türkischen Streitkräfte vertreten säkulare
und republikanische Werte“, behauptete die
NZZ am 25. April. Zwei Tage später drohten
die Generäle einen Putsch an, wenn Abdullah
Gül von der AKP Präsident werden sollte.
Am 1. Mai erklärte das Verfassungsgericht
dessen Wahl für ungültig.
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Fahnenmeer:
Massendemonstration mit hunderttausenden
TeilnehmerInnen in der westtürkischen
Stadt Izmir. |
In
Wirklichkeit ist die Türkei nie eine demokratische
laizistische Republik gewesen. Der kemalistische
türkische Staat ist ein rassistisches und
nationalistisches System, das alles „Nichttürkische“
zerstören will, und die Armee ist das Rückgrat
dieses Systems. Es gibt keine Religionsfreiheit:
nur der sunnitische Islam wird anerkannt (und
staatlich kontrolliert). Ethnische Minderheiten
wie die KurdInnen, AraberInnen, ArmenierInnen,
AlewitInnen usw. werden brutal unterdrückt.
Das Recht auf freie Meinungsäusserung ist
nicht garantiert: So musste die Zeitschrift „Nokta“
im April ihr Erscheinen einstellen, weil sie Berichte
über Putschpläne der Armee aus dem Jahr
2004 veröffentlicht hatte.
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| Vermeintliche
Einigkeit: Auch wenn die Massen-kundgebungen
im Zeichen der Bekämpfung der „Islamisierung“
der Türkei stehen, so sind sie dennoch
auch ein Ausdruck der Macht des türkischen
Militärs und traurige Zeugen des stark
ausgeprägten türkischen Nationalismus.
Was die Menschen dabei wirklich auf die
Strasse treibt, ist schwer abzuschätzen. |
Bei
der Putschdrohung zitierte Armeechef Büyükanit
den „grossen Führer“ Kemal Atatürk:
„Glücklich ist, wer sagen kann, er
ist ein Türke“, und er bezeichnete
Millionen von Menschen, die diesen Satz nicht
teilen können und/oder wollen, als Feinde
der Republik.
Die
linken und demokratischen Kräfte und die
Minderheiten in der Türkei sind durch den
aggressiven Nationalismus bedroht, den die Generäle
mit den Massendemos aufpeitschen. Bei der Beschwörung
einer „islamistischen Gefahr“ handelt
es sich um ein Ablenkungsmanöver, auf das
die westlichen Medien hereinfallen, die sich dem
„Kampf gegen den Terrorismus“ verschrieben
haben. Wir unterstützen weder die AKP, noch
die rassistisch motivierten Demonstrationen der
Kemalisten. Wir kämpfen für Demokratie
und Menschenrechte in der Türkei.
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Hüsam A. Abbud ist politischer Flüchtling
und sozialistischer
Aktivist aus der Südosttürkei (Antakiya)
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