Spontandemo
am 24. November 2010 im Anschluss an die
Verhaftung
von Aktivist_innen der Autonomen Schule
Zürich.
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Es
ist ein Tabubruch in der Stadt Zürich, dass
selbst beim Deutschlernen illegalisierte Menschen
sich vor der Polizei fürchten müssen.
Das Bleiberecht-Kollektiv Zürich und der
Verein «Bildung für alle» ziehen
den grünen Stadtrat und Polizeivorstand Daniel
Leupi in die Verantwortung, die «Jagd auf
Sans-Papiers» durch sein Polizeicorps sofort
zu unterbinden.
Wir veröffentlichen hier die Solidaritätserklärung
vom CCSI/SOS racisme Fribourg und des CaFri (Collectif
autonome des immigré(e)s Fribourg) an die
Autonome Schule Zürich (26. November 2010).
«Wir sind betroffen von den Verhaftungen
von Sans-Papiers der Autonomen Schule Zürich
(ASZ). Wir verurteilen diesen Akt der Repression
und der Einschüchterung von Seiten der Zürcher
Autoritäten.
Nach den Abstimmungen von Ende November über
die Ausschaffung «krimineller» Ausländer
ist die Polizei nun übereifrig in der Erfüllung
ihres Auftrags. Die Polizeirepression dient einmal
mehr der Politik der systematischen Stigmatisierung
der Ausländer_innen in diesem Land. Diese
Praktiken verstärken die Rolle der Sündenböcke,
die der ausländischen Bevölkerung zugewiesen
wird. Während diese wie alle anderen arbeiten
und ihre Steuern bezahlen, tragen der politische
Diskurs, die schikanösen und willkürlichen
Praktiken der Behörden und die Repression
dazu bei, dass sich eine diskriminierende Logik
durchsetzt, die davon ausgeht, Migrant_innen nicht
nicht gleich zu behandeln wie Schweizer_innen.
Wir möchten unsere Solidarität und unsere
uneingeschränkte Unterstützung für
die Sans-Papiers in Zürich ausdrücken.
Sie agieren – trotz ihrer Prekarität,
trotz ihres rechtlosen Status‘ – auf
autonome Weise hinsichtlich ihrer Integration,
zeigen Respekt für die Schweiz, ihre Kultur
und ihre Institutionen. Wo doch die Schüler_innen
und Aktivist_innen der Autonomen Schule eigentlich
als Vorbilder gelten müssten, werden sie
nun für ihr Engagement geahndet. Was für
ein Skandal!
Als Opfer mehrfacher Diskriminierung, gezeichnet
von physischer und/oder symbolischer Gewalt, sind
die Ausländer_innen gezwungen, sich in einer
zunehmend feindlichen Umgebung zu bewegen, in
einem Klima der Gleichgültigkeit und der
totalen Straffreiheit. Denn trotz Todesfällen
bei Ausschaffungen – bedingt durch physische
Misshandlung im Rahmen der Zwangsmassnahmen –
bleiben das Bundesamt für Migration und die
Polizei unbestraft! Gleichzeitig lanciert die
SVP ihre Initiative gegen «kriminelle Ausländer»
und setzt die xenophobe Logik bei allen institutionellen
Parteien durch. Sie beweisen damit, dass sie kein
Interesse haben, eine glaubwürdige Alternative
zur Verweigerung der Rechte der Migrant_innen
vorzuschlagen.
Mehr denn je sind die Migrant_innen «hungrig
nach Rechten»! Sie drücken in beispielhaften
Projekten wie jenem der Autonomen Schule ihr Verlangen
aus, wie Menschen und nicht wie Kriminelle oder
Profiteure behandelt und anerkannt zu werden.
Angesichts dieses gegenwärtigen xenophoben
und repressiven Abdriftens rufen wir alle auf,
für die der Kampf gegen Rassismus, gegen
Ausbeutung und die Spaltung der Arbeiter_innen
noch einen Sinn macht, sich zu bewegen und die
Kämpfe – gross oder klein, organisiert
oder spontan – zu unterstützen.
Kämpfe für:
-
die kollektive Regularisierung aller Sans-Papiers,
- die
Gleichbehandlung aller Arbeiterinnen und Arbeiter,
-
den sofortigen Stopp der Ausschaffungen,
-
die Einführung des «ius soli»
(Erwerb der Staatsangehörigkeit aufgrund
der Geburt in der Schweiz),
- die
Anerkennung des Stimm- und Wahlrechts für
alle Ausländer_innen auf allen Niveaus.
Wir
werden weiterhin alle Formen der Repression gegen
Migrant_innen denunzieren. Wir werden weiter kämpfen
für eine andere Migrations- und Asylpolitik.
Solange diese Ungleichheiten andauern, fahren
wir fort, der Wut jener ohne Stimme und ohne Rechte
einen Widerhall zu geben. Als Ausländer_innen
und Flüchtlinge sind wir von da wo wir hingehen
und die Schweiz ist auch unser Stück Erde!»
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Bildung
für alle!
Der
«Verein Bildung für alle»
organisiert an der Autonomen Schule Zürich
(ASZ) Deutschkurse und andere Bildungsangebote,
die allen offen stehen. Unter finanziell
und räumlich prekären Bedingungen
arbeiten die Aktivist_innen für ein
Bildungsangebot für alle und erproben
Formen emanzipativer Pädagogik. Die
Schule ist über das Bildungsangebot
hinaus ein politischer Raum, in dem ein
Austausch unabhängig von Herkunft und
Aufenthaltsstatus möglich ist –
es ist ein Ort des Widerstands gegen Diskriminierung
und Unterdrückung.
Bis anhin besuchten gegen 120 Migrant_innen
jeden Montag, Mittwoch und Freitag die Deutschkurse
an der ASZ beim Güterbahnhof. Die Zürcher
Stadtpolizei hat ab dem 24. November mehrmals
vor der Schule Kursteilnehmer_innen kontrolliert
und einzelne verhaftet. Viele Kursteilnehmer_innen
sind nun verunsichert und getrauen sich
nicht mehr, in die Schule zu kommen.
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